Trotz schwieriger Zeiten zufrieden mit der Entwicklung

Mitglieder der Zweckverbandsversammlung Lerchenäcker auf Besichtigungstour – fünf neu angesiedelte Unternehmen präsentieren sich

Optimistisch: Geschäftsführer Rasch (rechts) von Soehnle Professional. Foto: A. Wahl

Backnang (red) – Die Zeiten sind schwierig. Das ist hinlänglich bekannt. Umso erfreuter waren Kommunalpolitiker bei einer Besichtigungstour durch die Lerchenäcker. Unternehmen, die sich im Industrie- und Gewerbegebiet neu angesiedelt haben, zeigten sich zufrieden mit ihrer Geschäftsentwicklung.

Die Backnanger Stadträte und die Aspacher Gemeinderäte, die der Zweckverbandsversammlung Lerchenäcker angehören, absolvierten unter der Führung von Backnangs Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper und Aspachs Bürgermeister Hans-Jörg Weinbrenner ein Besichtigungsprogramm bei neu angesiedelten Unternehmen. Der Rundgang führte die Delegation zur Soehnle Professional GmbH, zur Karasto Armaturenfabrik Oehler GmbH, zum Nutzfahrzeugcenter Backnang GmbH, zur KK Elektrotechnik GmbH und zur SMA Metalltechnik GmbH.
Die Soehnle Professional hat nach einer rekordverdächtig kurzen Bauzeit im Sommer 2008 ihre Produktion in die Lerchenäcker verlegt. Mittlerweile ist der Umzug komplett abgeschlossen. Produktionsleiter Günther Rasch erläuterte den Besuchern die Raffinessen des neuen Gebäudes. So kann durch eine Zwischendecke die Produktionsfläche vergrößert werden. Im Bürobereich ist der dritte Stock bereits vorbereitet, das Dach sei eigentlich ein Fußboden, so Rasch. Die Entwicklung von medizinischen Waagen brachte Soehnle wiederholt die Auszeichnung „TOP100“ der innovativsten Unternehmen im Mittelstand ein. Entwicklungsperspektiven am neuen Standort und allgemeine Geschäftsentwicklung sieht Rasch mit Zuversicht.
Auch die Karasto Armaturenfabrik Oehler hat ihren Umzug von Fellbach nach Backnang abgeschlossen. Die luftigen Büroräume werden durch ein neuartiges Klimakonzept stets auf einer angenehmen Temperatur gehalten. Das Gebäude wird mit Geothermie beheizt. Geschäftsführerin Carola Reese gab einen Überblick über das vielfältige Produktprogramm, das unter anderem aus Bewässerungs-Armaturen, -Schläuchen und Geräten besteht. Außerdem entwickelt Karasto Befeuchtungssysteme für industrielle Anwendungen.

Umzug hat sich gelohnt: Nutzfahrzeug-Center hat deutlichen Zuwachs von Aufträgen. Foto: A. Wahl

Unternehmer Jürgen Frank vom Nutzfahrzeug-Center Backnang hat durch seinen Umzug von der Sulzbacher Straße in die Lerchenäcker bereits einen deutlichen Zuwachs von Aufträgen registriert und sogar Personal aufgestockt. In der Vertragswerkstätte der MAN und Iveco werden Nutzfahrzeuge aller Art sowie Busse geartet und repariert. Ab 2009 will Frank ein Seminarprogramm anbieten und damit auf die Schulungspflicht für Berufskraftfahrer reagieren.
Bei der KK Elektrotechnik GmbH bekamen die Besucher einen Einblick in die Welt der Hardware und Leiterplatten-Bestückung. Geschäftsführer Kruno Kratofil informierte über die unterschiedlichen Anforderungen in dieser hoch spezialisierten Nische. Die KK Elektrotechnik liefert unter anderem für die Tesat Spacecom, Soehnle Professional, für Siemens, BMW und Rohde & Schwarz hochwertige Leiterplatten. Auch Kratofil konnte von einer guten Geschäftsentwicklung berichten.
Geschäftsführer Klaus Liehr von der SMA Metalltechnik GmbH informierte über die bemerkenswerte Entwicklung des Unternehmens seit 2004. So sei es gelungen, über Entwicklungsprojekte und zusätzliche Kunden die Beschäftigtenzahl von 2209 auf 340 auszubauen. Dadurch habe ich die Zahl der Industrieroboter von 3 auf 14, die Produkte von 100 auf 600 und die hergestellten Leitungen von 2 auf rund 3,7 Millionen gesteigert. Durch vernünftiges Wertstrom-Management werden momentan die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass im Bestandsgebäude künftig noch mehr Beschäftigung und Wertschöpfung stattfinden kann. die aktuellen Turbulenzen im Fahrzeugbau werde man über Zeitkonten und verlängerte Betriebsferien so gut als möglich abfedern. Durch eine Vielzahl von Neuprojekten sieht der Geschäftsführer die SMA Metalltechnik jedoch gut aufgestellt in die Zukunft.

Backnanger Kreiszeitung vom 30. Oktober 2008

 

Backnanger Firma Soehnle setzt voll auf Wachstum

Jahresumsatz soll mittelfristig von rund 13 Millionen auf 40 Millionen Euro steigen-Neubau offiziell eingeweiht

BACKNANG. Der Firmenchef Stephan Gerster hat ehrgeizige Ziele. Die Zahl der Mitarbeiter seiner Firma Soehnle Professional in Backnang, die Spezialwaagen sowie Medizin- und Gesundheitstechnik herstellt, soll von zurzeit gut 70 auf 120 ansteigen.

Die Gäste haben am Wochenende bei der offiziellen Einweihung des neuen Firmengebäudes einen extrem gut gelaunten Chef der Backnanger Firma Soehnle Professional erlebt. Stephan Gerster hatte den Betrieb 2006 von seinem ehemaligen Arbeitgeber, dem Leifheit-Konzern, gekauft. Damals war er Vorstandsmitglied bei Leifheit. Gerster habe ganz genau gewusst, was für ein Juwel er übernehme, hieß es jetzt bei der offiziellen Einweihung des neuen Firmengebäudes auf dem Gewerbegebiet Lerchenäcker.
Der Neubau habe inklusive Grundstück und Inventar rund fünf Millionen Euro gekostet, sagte Gerster am Rande der Veranstaltung. Das ist viel Geld. Die Firma steuere im laufenden Jahr auf einem Umsatz in Höhe von rund 13 Millionen Euro zu. Und das sei noch lange nicht das Ende. Momentan buhlt die Firma um einen ¸¸riesigen Auftrag" (Gerster). Wenn dieser Handel zustande kommt, dann werde Soehnle Professional bis 2011 den Umsatz nahezu verdoppeln. Mittelfristig seien sogar 40 Millionen möglich. ¸¸Wenn alles gut läuft", wovon Gerster ganz offenkundig ausgeht, ¸¸dann bekommen die Banken bald ihr Geld zurück, und wir stocken auf." An den Backnanger Stadtkämmerer Siegfried Janocha gewandt sagte der Unternehmer: ¸¸Sie werden noch viel Freude an uns haben."
Bei Soehnle Professional fertigen rund 30 Mitarbeiter in der Produktion Spezialgeräte, zum Beispiel Fluggepäck-, Paletten- und Durchlaufwaagen. Die Firma mit dem 140 Jahre alten Traditionsnamen stellt aber auch Medizin- und Gesundheitstechnik her, etwa ein Stützmuskelanalysegerät zur Früherkennung von Osteoporose. Gerster erzählte am Samstagabend auch von seinem neuesten Coup: von einem Koffer, mit dessen Hilfe sich Patienten selbst untersuchen können. Das Gerät werde in den nächsten Wochen vorgestellt, es messe beispielsweise den Blutdruck und ermittele den sogenannten Body Mass Index (BMI). Insgesamt beschäftigt Soehnle in Backnang rund 70 Männer und Frauen, die Zahl der Angestellten soll auf 120 steigen.
Der Waagenhersteller, der anno 1868 von dem Schlosser Wilhelm Soehnle gegründet wurde, war vor rund zwölf Jahren aus dem Gleichgewicht gekommen. Jede dritte der damals rund 700 Stellen der Murrhardter Firma wurde gestrichen. 2001 hat der Haushaltswaren- und Badzubehörkonzern Leifheit den guten Namen des Familienunternehmens gekauft und die Firma nach und nach zusammengeschrumpft. Ende 2005 wurde die Produktion von Haushaltswaagen - das einstige Hauptgeschäftsfeld der Firma - eingestellt. Überlebt hat einzig eine Sparte des Unternehmens, die sich auf professionelle Wägetechnik spezialisiert hatte.
Gerster, der geschäftsführender Gesellschafter von Soehnle Professional ist, erklärte gestern, dass er lange nach einem neuen Standort für den Betrieb gesucht habe. Er sei glücklich mit Backnang und den Lerchenäckern. Der Backnanger OB Frank Nopper habe eine ¸¸in Deutschland nicht alltägliche Dynamik" offenbart, die Baugenehmigung sei binnen vier Wochen erteilt worden. Die Umsiedelung von Murrhardt nach Backnang hätte die Belegschaft ohne ein Umzugsunternehmen bewerkstelligt.
Nopper wünschte dem Unternehmen, dass ¸¸alle Waagen in Richtung Erfolg ausschlagen". Der Stadtchef erklärte, er sei froh, dass der erste Bauabschnitt des Gewerbegebiets nun etwa zur Hälfte verkauft sei. Demnächst könne sich die Stadt mit der Erschließung des zweiten Bauabschnitts befassen.

Von Martin Tschepe, Stuttgarter Zeitung vom 15. September 2008

 

Ein weiterer messbarer Erfolg in der Firmengeschichte

Soehnle Professional gehört in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal zu den 100 innovativsten Firmen des deutschen Mittelstandes: Mit dem neuen Produktions- und Kundenzentrum in den Lerchenäckern wird der Expansionskurs des Unternehmens auch nach außen hin sichtbar. Foto: E. Layher

Backnang – Als Stephan Gerster im Jahr 2006 Soehnle Professional kaufte, war ihm klar, „das ist ein Rohdiamant“, der durch das Anlegen von Facetten mehr und mehr zum Leuchten gebracht werden kann. Und er behielt Recht. Ein weiterer messbarer Erfolg in der Firmengeschichte ist das Werk- und Kundenzentrum in den Lerchenäckern.
Am letzten Juniwochenende bezog Soehnle Professional in Backnang sein neues Zuhause. Am Samstagabend feierten geladene Gäste die Einweihung des neuen Firmensitzes. Dass sich das Funkeln des Diamanten durch unterschiedlichste Schliffe immer mehr verstärkt hat, das spiegelt sich bei dieser Feier in den Augen der Angestellten und Gäste wider. Kein Wunder, hat sich doch dank eines nicht alltäglichen Balanceakts aus einem Zweig einer maroden Firma ein weltweit agierendes dynamisches Unternehmen im Bereich professionell eingesetzter Mess- und Wägetechnik entwickelt.
Als Leifheit im Jahr 2000 das in die Krise geratene Murrhardter Familienunternehmen Soehnle kaufte, galt das Interesse des auf Haushaltswaren spezialisierten neuen Eigentümers weniger dem Bereich der Industriewaagenentwicklung. Diese wurde zunächst ausgegliedert und Vorstand Stephan Gerster, der bei Leifheit als Sanierer fungierte, oblag die Aufgabe, einen Kaufinteressenten zu finden. Was sich als schwierig gestaltete. Es war Gerster, der seinem Arbeitgeber eines Tages das Angebot machte, den Murrhardter Betrieb zu übernehmen. Heute bietet Soehnle Professional neben seinen Standardprodukten für Handel, Gewerbe und Industrie sowie Medizin, Gesundheit und Wellness auch maßgeschneiderte Speziallösungen – derzeitiger Umsatz: 12 Millionen Euro.
Bei einem Rundgang durch das Produktions- und Kundenzentrum können sich die Gäste nicht nur ein Bild von den Räumlichkeiten machen – von der vornehm-schlicht gehaltenen Verwaltungsebene bis hin zum Wellness-Raum – sondern bekommen auch Einblick in die umfangreiche Produktpalette. Da ist beispielsweise „die weltweit einzige klappbare Babywaage“, wie Reiner Schlosser, Sales Director Export, erklärt. Oder der Balance-X-Sensor, ein Gerät zur Früherkennung des Osteoporose-Risikos, Messung neuromuskulärer Defizite und Erfolgsbewertung von Muskeltrainingsprogrammen. Von den Medizinwaagen geht’s zu den Industriewaagen wie der Handhubwaage mit integrierter Wägetechnik. Obendrein lädt ein kleines Museum mit 140 Informationstafeln und einigen Exponaten aus der Firmengeschichte dazu ein, sich über das Traditionsunternehmen Soehnle zu informieren, dessen 140. Geburtstag ebenfalls gefeiert wird. „Das Besondere besitzt Tradition. Dies ist eine Erkenntnis, die in besonderem Maße auf Soehnle (Professional) anwendbar ist. Und wahre Tradition will erworben und bewahrt sein“, ist denn auch auf der Einladungskarte zu lesen.
„Für Stephan Gerster ist Soehnle kein Job – er ist beseelt von einer neuen Aufgabe“ steht auf einer der Infotafeln. Dass dem so ist, wird den Gästen schnell deutlich, als der „Bremer Jung’“, wie sich der Firmeninhaber selbst bezeichnet, seine Rede hält. Er spricht von der langen Suche nach einem geeigneten Grundstück („wir sind auf mancher nassen Wiese gestanden“), von den wichtigen drei B’s, dem Backnanger Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper, der „eine für Deutschland nicht alltägliche Dynamik hat“, den Banken, die hinter dem Projekt stehen, und dem Bauunternehmen. Er spricht von Visionen und Innovationen. „Wir wollen vorne laufen, wir wollen die Fahne tragen, das haben wir uns fest vorgenommen.“ Doch der Gastprofessor an der Universität im österreichischen Krems weiß auch: „Visionen laufen nie glatt. Vision ist ein undeutliches Bild (...) nach der Vision kommt die Strategie.“ In Europa unter den ersten Vier in der Branche sein, das ist das Ziel.
Gerster macht zudem auf die Symbolik des vor dem Haus stehenden Olivenbaums aufmerksam, erinnert an Noah auf der Arche, der eine Taube losschickte, die mit einem Ölzweig im Schnabel zurückkam. Nicht nur ein Zeichen der Hoffnung. „Du kannst alle Zweige abschneiden, es kommt immer wieder einer nach.“ Der Brunnen mit der Weltkugel vor dem Eingang steht für Weltoffenheit. Gleichzeitig gilt: „Wir werden die Moderne, aber auch die Tradition pflegen.“
Der Mann, der mit 57 Jahren, wenn andere schon den Ruhestand vorbereiten, zum Unternehmer wurde, und heute seinen 60. Geburtstag feiert, meint es ernst. Das Werk- und Kundenzentrum ist so gebaut, dass noch ein Stockwerk draufgesetzt werden kann. Ein weithin sichtbares Zeichen dafür, dass Soehnle Professional noch viel vorhat, ist der Aufzug, der wie ein Bühnenturm eines großen Theaters über das Dach hinausragt. Auch die 540 Quadratmeter große Produktionsfläche kann noch um weitere 500 Quadratmeter erweitert werden. Gerster: „Wir sind vorbereitet. Wir laufen nicht los, und wenn wir die ersten Wachstumsschritte machen, passen die Schuhe nicht mehr.“ Der oberste Chef des Ganzen lobt auch seine Mitarbeiter, die den Umzug nicht anderen überließen, sondern selbst mit anpackten. Ihren „unglaublichen Einsatz“ bringt der geschäftsführende Gesellschafter so auf den Punkt: Am Freitag um 17 Uhr wurde die EDV abgeschaltet, am Samstag um 19 Uhr lief jeder Bildschirm wieder.“ Nur der damalige technische Leiter sagte laut Gerster zwei Tage vor dem Umzug: „Ich mache nicht mehr mit“. Da trat der ehemalige Mitarbeiter Wilhelm Zügel auf den Plan und riss das Steuer wieder herum. Dafür wird er jetzt mit einer Uhr geehrt. Um einige Exemplare dieser Uhren zu fertigen, hatte ein Goldschmied Goldmünzen, die zum 125-Jahr-Jubiläum von Soehnle geprägt worden waren, eingeschmolzen.
In einer humorigen Rede lobt OB Nopper das High-Tech-Unternehmen mit 70 Mitarbeitern (mittelfristig 120 Mitarbeiter), das in den letzten Jahren über 25 Patente angemeldet habe. Der Inhaber des Generalunternehmens Pur, Karl-Heinz Payr, lässt wissen, dass nur regionale Firmen, die ihren Sitz im Umkreis von 20 bis 30 Kilometern haben, beim Bau in den Lerchenäckern beteiligt waren. Zu guter Letzt überreicht Geschäftsführer Michael Schläger Firmenchef Stephan Gerster ein Geschenk der Mitarbeiter: Ein gemaltes Porträt. Der Beschenkte: „Das ist eigentlich noch zu früh. Ich weiß noch nicht, wo ich es hinhänge, vielleicht zuhause. Dass die Familie mich sieht, wenn ich nicht da bin.“

Von Ingrid Knack, Backnanger Kreiszeitung vom 15. September 2008

 

Wertevermittlung in Backnangs Olympia

Der Benediktiner Anselm Grün lockt als Redner 687 Gäste zu den Wirtschaftsgesprächen

Ein Mann mit vielen Talenten und noch mehr Gefühl: Pater Anselm Grün. Foto:Martin Stollberg

BACKNANG. Die Backnanger Wirtschaftsgespräche im Park des Schlosses Katharinenhof zählen mittlerweile zu den wichtigsten gesellschaftlichen Terminen im Kreis. Am Mittwochabend war es wieder so weit. Bei der sechsten Auflage ging es um das Thema ¸¸Führen mit Werten".

Einmal im Jahr weht ein Hauch von Jetset durch den Park des Schlösschens Katharinenhof, gelegen an der B 14 zwischen Backnang-Strümpfelbach und Oppenweiler. Wohlgemerkt: ein Hauch. Schließlich ist man im Schwäbischen bekannt für den Hang zum Understatement. Trotzdem, ein Prominentenfotograf wird gesichtet, bei den Backnanger Wirtschaftsgesprächen muss es sich also doch um eine nicht alltägliche Gesellschaft handeln. Im feinen Zwirn hat sich im Hof des Schlosses versammelt, was im Kreis Rang und Namen hat. Was heißt im Kreis? ¸¸Sogar vom Nesenbach sind heute die Gäste zu uns gekommen", sagt Frank Nopper, der Oberbürgermeister Backnangs, der die Wirtschaftsgespräche angesichts der bald beginnenden Olympischen Spiele flugs zu Backnangs Olympia erhebt: ¸¸Dabei sein ist alles."
Um ¸¸Führen mit Werten" geht es in der sechsten Veranstaltung der Reihe, die 2003 zum ersten Mal zelebriert wurde. Pater Anselm Grün, Benediktiner, promovierter Theologe, Diplombetriebswirt, Cellerar der Abtei Münsterschwarzach in Franken, Autor, Seelsorger und Unternehmensberater, ist der diesjährige Redner. In den Jahren zuvor standen Jürgen Weber, der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Lufthansa, Willem van Agtmael, der Geschäftsführer von Breuninger, Hartmut Jenner, der Sprecher der Geschäftsführung von Kärcher, Berthold Leibinger, der Aufsichtsratsvorsitzende von Trumpf, und Paul Kirchhof von der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg am Rednerpult.
687 Zuhörerinnen und Zuhörer - laut Nopper ¸¸zwei mehr als im vergangenen Jahr" - lauschen an dem schönen Sommerabend schließlich den Worten Anselm Grüns. Der Benediktiner weiß, wovon er spricht. Als Cellerar ist er der Wirtschaftschef seines Klosters, das vom Gymnasium über eine Buchhandlung bis hin zur Bäckerei 20 Wirtschaftsbetriebe umfasst, die es nach den Regeln des heiligen Benedikt von Nursia zu einer autonomen Gemeinschaft machen. Was der heilige Benedikt vor 1500 Jahren für die bis heute geltenden Mönchsregeln ersonnen hat, gelte noch immer, sagt Grün. ¸¸Ich möchte Lust auf Werte machen", kündigt er an, denn Werte machten eine Firma erst wertvoll. ¸¸In der heutigen Zeit spricht man oft von Wertezerfall. Werte können jedoch nicht zerfallen, nur der Bezug dazu."
Vier Werte der antiken Philosophie und dazu drei christliche stellt Anselm Grün vor: Gerechtigkeit, Tapferkeit, Maßhalten, Weisheit, Glaube, Hoffnung und Liebe. ¸¸Das klingt vielleicht zu groß", sagt er, als er zur letzten der Tugenden gelangt. Was sollte in der Führung eines Unternehmens die Liebe eine Rolle spielen? Grün gibt die Antwort: ¸¸Wenn ich nur mich liebe, nur meine Firma, dann kreise ich um mich selbst und gehe irgendwann zugrunde."
Seine Ausführungen belegt Anselm Grün mit Beispielen aus seiner jahrelangen Praxis als Unternehmensberater. Man merkt, dieser Mann, der 300 Bücher geschrieben hat und mit 15 Millionen verkauften Exemplaren der wohl meistgelesene christliche Autor der Gegenwart ist, hat nicht nur Wissen, er besitzt auch viel Mitgefühl und Herz. Der 1945 geborene Franke wollte eigentlich Seelsorger werden, das Amt des Cellerars hat er nur ungern übernommen, dann aber mit vollem Einsatz. Dazu zählten, wie Nopper berichtet, auch erfolgreiche Anlagegeschäfte. Trotz der vielen Arbeit betreut Grün Geistliche, die in eine Krise geraten sind, zum Teil über Monate hinweg. ¸¸Ich koche aber auch nur mit Wasser", beteuert er schmunzelnd.

Von Thomas Schwarz, Stuttgarter Zeitung vom 8. August 2008

 

Die Tipps eines Mönchs an die Geschäftswelt

Volles Zelt mit fast 700 Besuchern ist die Kapazitätsgrenze des Schlosshofes fast erreicht.
Foto: E. Layher

Backnang – Ein Benediktiner inmitten von Unternehmern – das irritiert. Was kann der Mönch den Geschäftsleuten schon sagen? Die Antwort: sehr viel. Der starke Applaus nach Anselm Grüns Vortrag belegt diese Erkenntnis. Dabei hatte der Pater seine Rede mit den Worten beendet: „Ich habe Ihnen nichts Neues gesagt. Ich habe Sie nur daran erinnert.“

Pater Anselm Grün hätte ohne Probleme über betriebswirtschaftliche Aspekte sprechen können, schließlich erzielt der Finanzchef der Abtei Münsterschwarzach mit den zahllosen Geschäftsbereichen des Klosters eine Rendite von zehn Prozent, das muss ihm erst einer nachmachen. Aber der promovierte Theologe und Betriebswirt hatte sich für einen anderen Aspekt entschieden. „Führen mit Werten – Werte machen eine Firma wertvoll“, lautete sein Thema.
Wenn nun der Manager im Auftrag Gottes über Werte spricht, so könnte die Gefahr bestehen, dass er dies mit erhobenem Zeigefinger macht. Dies war aber mitnichten der Fall, „ich möchte Ihnen Lust auf Werte machen“. Für den Cellerar des Klosters gibt es heute keinen Werteverlust, sondern nur eine andere Sichtweise. Werte sind für ihn Kraftquellen, dank denen das Leben gelingt. Sie haben auch immer etwas mit der Würde des Menschen zu tun. „Wenn in einer Firma Werte nicht geachtet werden, dann wird die Würde des Menschen missachtet.“ Umgekehrt lohnt es sich für eine Firma auf Werte zu setzen, weil die Mitarbeiter in diesen Betrieben lieber und besser und gesünder arbeiten. Werden in einer Firma jedoch die Werte missachtet, so rebelliert der Körper.
Doch was sind Werte? Pater Anselm stellt die vier Kardinaltugenden vor, die vom griechischen Philosophen Platon definiert wurden: Gerechtigkeit, Tapferkeit, richtiges Maß und Klugheit. Im zweiten Teil seines Vortrags ergänzte er diese noch durch die christlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe. Drei hochtrabende Begriffe, die auf den ersten Blick nicht viel mit der modernen Geschäftswelt zu tun haben.
Die Gerechtigkeit im Sinne Platons meint, der Mensch soll seinem Wesen selbst gerecht werden. Wer gegen sein Wesen lebt, wird auf Dauer krank, zeigt sich Grün überzeugt. So sind heute Angstattacken und Depressionen häufige Erkrankungen am Arbeitsplatz. Oft stecken die maßlosen Ansprüche gegen einen selbst dahinter. Deshalb weiß der Mönch, „nur wenn wir uns selbst gerecht werden, können wir auch anderen gerecht werden“. Dies ist zwar in der Geschäftswelt nicht immer einfach, aber Grün zitiert aus der Bibel: „Wer Gerechtigkeit sät, wird Frieden ernten.“
Tapferkeit ist laut Grün nicht nur eine Tugend der Soldaten und Sportler, sondern auch der Philosophen. Übersetzt in die heutige Zeit ist damit Zivilcourage gemeint, also die Fähigkeit, zu etwas zu stehen, von dem ich überzeugt bin. Für Führungskräfte und Mitarbeiter gleichermaßen geht es darum, Verantwortung zu übernehmen und im Falle des Scheiterns auch Fehler eingestehen zu können.
Die dritte Tugend, das richtige Maß, zielt auf die richtige Einschätzung unserer Kräfte ab. „Das rechte Maß heißt nicht, in Mittelmäßigkeit zu verfallen“, es heißt aber sehr wohl, sich nicht zu überfordern. Der Perfektionismus vieler Zeitgenossen, die Manie, sich selbst und andere ständig unter Druck zu setzen oder gar zu überfordern vergleicht Grün mit dem Trinken aus einer trüben Quelle. Und er stellt diesem Tun ein Wort seines Ordensgründers Benedikt gegenüber, der geschrieben hat: „Eine klare Quelle ist ein weites Herz.“ Wer seinen Mitarbeitern und seinen Vorgesetzten mit einem weiten Herzen begegnet, nimmt viel vom Druck der Arbeitswelt weg.
Das Gespür für den richtigen Augenblick, das ist für Grün Klugheit. Auch in der Arbeitswelt geht es darum, was ist möglich. Das hat nichts mit Gerissenheit zu tun, sondern mit dem Blick auf die Nachhaltigkeit. So erwähnt er ein Gleichnis Jesu. Dieser lobt den klugen Mann, da er sein Haus auf Fels und nicht auf Sand gebaut hat.
Ob das, was wir tun, gelingt, das hängt Pater Anselm zufolge nicht nur von unserer Intelligenz ab, sondern auch von Gottes Segen. Der Glaube vertraut darauf, dass dieser Segen kommt, und macht den Menschen frei. „Diese Freiheit brauchen wir, der Glaube an Gott muss sich niederschlagen im Glauben an den Menschen.“ Wieder zitiert Grün Benedikt: „Ihr sollt in jedem Menschen Christus sehen.“ Auf die heutige Zeit bezogen, heißt dies: In jedem Menschen steckt ein guter Kern. Die Hoffnung ist der Motor von allem. Grün setzt sie nicht gleich mit „eine Erwartung haben“. Vielmehr trage Hoffnung die Aufgabe in sich, den Willen Gottes zu erkennen und nach eigenem Vermögen zu handeln. Es helfe nichts, etwa über die schlechte Konjunktur zu jammern, „es ist immer wieder wichtig, Hoffnung zu haben“. Als eine der stärksten Kraftquellen bezeichnete er jedoch die Liebe. Jeder müsse im Betrieb den anderen so akzeptieren, wie er ist, ihn gut behandeln und wertschätzen. „Wenn einer glaubt, er muss den anderen klein machen, damit seine eigene Größe zum Ausdruck kommt, das ist der Tod einer jeden Firma.“
Grüns Appell an die Gäste: „Sie prägen die Welt. Je rauer die Wirtschaft ist, desto rauer wird die Welt. Wenn Sie die Werte berücksichtigen, geht von Ihrer Arbeit ein Segen aus, nicht nur für Backnang, sondern für die ganze Welt. Das wünsche ich Ihnen, dass von Ihrer Arbeit ein Segen ausgeht.“

Bemerkenswerte Entwicklung

Backnangs Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper schwärmte in seiner Begrüßungsrede von der Backnanger Wirtschaft, die sich in mehreren Bereichen – zum Teil fast unbemerkt – sehr positiv entwickelt hat. Etwa das interkommunale Industrie- und Gewerbegebiet Lerchenäcker, das im Jahr 2003 einer der Gründe für die Etablierung der Backnanger Wirtschaftsgespräche war. Es hat laut Nopper eine gute, sogar eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Im Juli vergangenen Jahres waren erst acht Unternehmen in den Lerchenäckern ansässig. In der Zwischenzeit sind elf weitere Unternehmen mit rund 260 Mitarbeitern dazugekommen, die sich entweder bereits angesiedelt haben oder deren Ansiedlung unmittelbar bevorsteht. Nopper listete die wesentlichen auf: Mit der Ansiedlung der Soehnle Professional sitzt nunmehr ein renommierter Hersteller von Industrie- und Medizinwaagen, mit der Karasto Armaturenfabrik Oehler ein etablierter Hersteller von Schlaucharmaturen- und Bewässerungszubehör am Wirtschaftsstandort Backnang.. Nach dem Verkauf von 4,4 Hektar Gewerbefläche innerhalb eines Jahres sind nunmehr über die Hälfte der Flächen in den Lerchenäckern verkauft. Mit diesen Ansiedlungen werden in den Lerchenäckern fast 850 Menschen beschäftigt sein.
Nopper listete einige erwähnenswerte Entwicklungen von Unternehmen auf. So ist die Tesat Spacecom mittlerweile zum größten Arbeitgeber der Stadt geworden. Nach enormen Umsatzsteigerungen hat das Unternehmen, das Backnang zu einem Zentrum der Weltraumkommunikation macht, seine Mitarbeiterzahl von rund 650 im Jahr 2004 auf nunmehr inklusive der Drittkräfte rund 900 Mitarbeiter ausgebaut. Ohne Backnang und die Satelliten-Sendeverstärker des Marktführers Tesat, da ist sich Nopper sicher, gäbe es weder Bilder vom Mars, noch in einigen Tagen Fernsehbilder von den Olympischen Spielen in Peking.
Ihren Umsatz alle drei Jahre verdoppeln konnte seit 2003 auch die d&b Audiotechnik, die unter anderem Beschallungssysteme für das Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern, das Stadion der Freundschaft in Leipzig und für das Konzerthaus im schwedischen Uppsala hergestellt hat. Ihre Erweiterung im alten Spinnereiareal hat in diesem und im vergangenen Jahr millionenschwere Investitionen ausgelöst. Die Mitarbeiterzahl konnte seit 2007 um 29 auf rund 140 erhöht werden.
An der Weissacher Straße entsteht gegenwärtig der größte Bau- und Gartenmarkt der BayWa AG in Württemberg. Das Unternehmen investiert an diesem Standort 13 Millionen Euro und wird nach der Fertigstellung 2009 die Mitarbeiterzahl von heute 15 auf 90 steigern.
Vor dem von Fußball-Nationalspieler Mario Gomez erworbenen Stadthaus steht gegenwärtig täglich eine Armada von Handwerker- und Baufahrzeugen. Die Eröffnung des Speiserestaurants „Zur alten Vogtei“ soll Ende Oktober oder Mitte November diesen Jahres stattfinden. Es soll eine zum traditionsreichen Namen passende Wirtshauseinrichtung erhalten und mindestens mit fünf Gästezimmern sowie zwei Suiten ausgestattet sein. Auch die Stadt Backnang gibt dem Baugewerbe mit ihren sehr stark gestiegenen Bauinvestitionen einen spürbaren Schub. Die Bauinvestitionen der Stadt erhöhten sich von 2,7 Millionen Euro im Jahr 2006 und 4,7 Millionen im Jahr 2007 auf 9,9 Millionen im Jahr 2008 sowie auf 13,0 Millionen Euro im Jahr 2009, kündigte Nopper an.

Höfliger dankte allen Mitstreitern

Vor einem Jahr noch kämpfte Harro Höfliger um den Vorlesungsstandort der Berufsakademie Stuttgart. Inzwischen hat die Landesregierung die Entscheidung zugunsten des Campus Backnang gefällt.
Das freute Höfliger: „Die jahrelangen Bemühungen um eine bessere Gewinnung von Nachwuchsingenieuren waren von Erfolg gekrönt.“ Er dankte allen, die ihren Teil dazu beigetragen haben. Dank stattete er auch Otto Baur ab, der für die Organisation der Gespräche zuständig ist und dies trotz einer Erkrankung meistern konnte.


Von Matthias Nothstein, Backnanger Kreiszeitung vom 8. August 2008

 

Weida will im September Produktion aufnehmen

Die Weida CNC GmbH feierte jetzt an ihrem Neubau in den Lerchenäckern Richtfest. Das Unternehmen will die Produktion an seinem neuen Standort im September aufnehmen.

Meilenstein in der 14-jährigen Firmengeschichte der Weida CNC GmbH: Richtfest am Neubau in den Lerchenäckern. Foto: E. Layher

Bei kaiserlichem Wetter, wie Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper in seinem Grußwort in Erinnerung an den Namensgeber des Monats Juli, Julius Caesar, sagte, feierten die beiden Unternehmer Wilfried Weida und Turgay Güngormus Richtfest am künftigen Standort der Weida CNC GmbH. Gleich Cäsars Worten „veni, vidi, vici“ solle Weida, nachdem er in die Lerchenäcker gekommen ist und diese als idealen künftigen Standort für seinen Betrieb erkannt hat, sein Unternehmen dort „siegreich“ fortführen, auf dass der Stadtsäckel reichlich mit Gewerbesteuer gefüllt werde.
Kunden und Lieferanten, Vertreter der Stadt Backnang und Banken, die Mitarbeiter und deren Familien fanden zusammen, um den Anlass gebührend zu begehen. Der Richtmeister und Wilfried Weida dankten der Bauunternehmung Pfeil, als Generalunternehmer gesamtverantwortlich für das Bauvorhaben, den Architekten und allen Handwerkern, die bis dato das Ihre beigesteuert haben, um das Ziel zu realisieren, am 15. September die Produktion an der neuen Wirkungsstätte aufzunehmen. Die Baugenehmigung war in kürzester Zeit möglich gemacht worden.
Die Weida CNC GmbH, Spezialist für flexible Blechbearbeitung und Schweißtechnik, ist weit über die Metropolregion Stuttgart hinaus bekannt. Mit 25 Mitarbeitern und 4 Auszubildenden erwirtschaftet das hoch technologisierte Blechbe- und Verarbeitungszentrum in diesem Jahr einen Umsatz von 4 Millionen Euro. Mit dem Firmenneubau in den Lerchenäckern setzt das Unternehmen einen weiteren Meilenstein in der nun 14 Jahre währenden erfolgreichen Firmengeschichte. Wilfried Weida verspricht sich und seiner Kundschaft, in puncto Logistik, Prozesssteuerung, Effizienz und Ausbringung noch besser zu werden. Für ihn steht fest, dass sich nach wie vor unternehmerisches Engagement auch im Rems-Murr-Kreis lohnt.

Backnanger Kreiszeitung vom 29. Juli 2008

 

Mehr Busse in die Lerchenäcker

Backnang – Mit der Ansiedlung weiterer Betriebe wird die Busverbindung in den Businesspark Lerchenäcker zum 1. Juli weiter ausgebaut.

Hierzu werden weitere Fahrten der Linie 360 Sachsenweiler – Backnang ZOB – Rietenauer Weg über die derzeitige Endhaltestelle hinaus in den Businesspark Lerchenäcker verlängert. Das meldet das Omnibusunternehmen OVR in einer Pressemitteilung. Ferner wird der Fahrplan in der morgendlichen Hauptverkehrszeit um eine zusätzliche Fahrt ergänzt. Ab Backnang ZOB verkehren die zusätzlichen Busse in Richtung Lerchenäcker von Montag bis Freitag um 6.40, 8.10, 12.10 und 17.10 Uhr. In der Gegenrichtung starten die neuen Fahrten der Linie 360 an der Haltestelle Karl-Ferdinand-Braun-Straße montags bis freitags um 12.28 und 17.28 Uhr. Alle Fahrten zwischen Backnang ZOB und Businesspark Lerchenäcker bedienen sämtliche Haltestellen unterwegs im Bereich der Backnanger Innenstadt sowie der Sulzbacher Straße und bieten am ZOB Anschlüsse zu den übrigen Bus- und Bahnlinien. Weitere Infos im Internet unter HYPERLINK "http://www.ovr-bus.de" \t "_blank" www.ovr-bus.de oder unter HYPERLINK "http://www.vvs.de" \t "_blank" www.vvs.de.

Backnanger Kreiszeitung vom 1. Juli 2008

 

Hälfte der Flächen im ersten Abschnitt verkauft

Backnang (pm/red) – Vom Sorgenkind zum gefragten Standort für Industrie, Handwerk und Dienstleistung: In den Lerchenäckern tut sich etwas. Mit der Ansiedlung einer Spedition ist fast die Hälfte der Flächen des 1. Bauabschnitts belegt, beziehungsweise verkauft.
Mit der Spedition Michel GmbH wurde ein weiteres Unternehmen für das Industrie- und Gewerbegebiet Lerchenäcker gewonnen. Die Gemeinderäte von Backnang und Aspach haben den Verkauf eines etwa 1,2 Hektar großen Grundstücks an das bisher in Weinstadt im Remstal ansässige Logistikunternehmen bereits beschlossen.
Die Spedition Michel, ein mittelständisches Unternehmen mit Stammsitz in Wemding in Bayerisch–Schwaben, kann durch die Verlagerung aus dem Remstal in die Lerchenäcker kräftig wachsen und will ihre Mitarbeiterzahl von bisher 30 auf zukünftig 50 bis 70 aufstocken. Der Logistik-Dienstleister mit insgesamt über 200 Mitarbeitern an vier Standorten ist insbesondere in den Bereichen Arzneimittel, Frischwaren und Krankenhausartikel tätig. Michel ist Spezialist in Beschaffungs- und Verteilerlogistik. In den Lerchenäckern sollen vor allem die Bereiche Qualitätssicherung, Kommissionierung, Kontrolle und Verpackung ausgebaut werden. 1991 kam das Unternehmen in den Weinstadter Stadtteil Großheppach, nachdem es zuvor im Landkreis Ludwigsburg ansässig gewesen war.
Mit der Ansiedlung der Spedition Michel ist annähend die Hälfte der Flächen des ersten Bauabschnitts im interkommunalen Gewerbegebiet Lerchenäcker verkauft. Auch der Neubau der Weida CNC GmbH, einem Metalltechnikspezialisten, geht weiter voran. Auf dem gut 5000 Quadratmeter großen Areal des Unternehmens entsteht eine eingeschossige Werkhalle mit Büro, die im Herbst diesen Jahres bezogen werden soll. Weida stellt mithilfe modernster Fertigungstechnologien Blechformteile und Baugruppen her und hat sich als Zulieferunternehmen für eine Vielzahl von Unternehmen im Backnanger Raum wie etwa die SMA Metalltechnik, FK Automotive, Soehnle Professional und Kerres sowie als Zulieferer für den Fahrzeugbau etabliert. Das Unternehmen beschäftigt derzeit knapp 40 Mitarbeiter mit weiter steigender Tendenz.
Nicht zuletzt läuft derzeit auch der Bau einer Verbindungsstraße im sogenannten Handwerkerhof inmitten der Lerchenäcker auf vollen Touren.

Backnanger Kreiszeitung vom 24. Mai 2008

 

Größter Arbeitgeber in der Stadt wächst weiter

Simuliert Weltraumbedingungen: die Thermo-Vakuumkammer. Darin testet Tesat elektronische Komponenten, wie den Ausgangsmultiplexer (Omux), der die Signale, die von den Sendeverstärkern kommen und zur Antenne geführt werden, bündelt. Foto: E. Layher

Backnang – Tesat-Spacecom setzt seinen Höhenflug fort. Der Hersteller von Satelliten-Komponenten, größter Arbeitgeber in der Stadt, will die Zahl seiner Mitarbeiter von 800 auf 900 steigern. Die Zahl der Auszubildenden soll in den kommenden drei Jahren sogar verdoppelt werden. Im laufenden Jahr wird ein Umsatzplus von 20 Prozent erwartet.

Viele Jahre stand Tesat-Spacecom im Schatten des benachbarten großen Bruders Ericsson (vormals Marconi). Von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, tauschten beide Unternehmen die Rollen, was die Zahl der Beschäftigten anbelangt. Kein anderer Arbeitgeber in der Stadt hat heute so viele Frauen und Männer auf seiner Lohnliste stehen, wie Tesat. 710 feste Mitarbeiter sind es derzeit. Dazu kommen noch etwa 90 Leihkräfte. Insgesamt also rund 800 Beschäftigte.Doch der Höhenflug des nach eigenen Angaben europäischen Marktführers im Bereich der nachrichtentechnischen Nutzlasten von Satelliten hält an. Längst Zeit also, das Schattendasein aufzugeben und nicht nur Erfolg zu haben, sondern auch darüber zu sprechen, wie Tesat-Chef Berry Smutny gestern bei einem Gespräch mit der Backnanger Kreiszeitung sagte. In den vergangenen Jahren ist der Umsatz stets gestiegen, meist zweistellig, im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf fast 160 Millionen Euro, so der Geschäftsführer. Fürs laufende Jahr erwartet Smutny sogar eine Steigerung von 20 Prozent.Im gleichen Maß soll auch die Zahl der Beschäftigten wachsen. Ziel ist, die Marke von 900 Mitarbeitern zu erreichen. „Wir könnten sofort 100 Ingenieure einstellen“, sagt Smutny voller Euphorie, um dann sofort den Bremsschirm zu ziehen: „Aber wir finden keine.“ Doch an Fachkräften herrsche ein großer Mangel. Trotzdem, erklärtes Ziel des Tesat-Chefs ist es, im laufenden Jahr 30 bis 40 Stellen neu zu besetzen, vor allem mit Entwicklungs- und Systemingenieuren sowie Projektleitern. Dass dieses Vorhaben auch von Erfolg gekrönt sein wird, dafür soll im wesentlichen der neue Personalchef Sebastian Rädle sorgen. Der Familienvater, der sich seit Anfang Januar in Backnang um qualifizierten Nachwuchs kümmert, war zuvor 20 Jahre lang Leiter der Personalabteilung bei Astrium in Friedrichshafen. Wie Rädle sagt, soll auch die Zahl der Auszubildenden steigen. Sie soll sich innerhalb von drei Jahren verdoppeln, von derzeit 17 auf dann 34. Zudem will Tesat dafür sorgen, dass beim Nachbarn Ericsson kein Auszubildender ohne Abschluss auf die Straße geschickt wird.Ausgehend von ihrer Führungsposition im kommerziellen Satellitenmarkt werden die Tesat-Produkte auch immer stärker in verschiedenen raumgestützten Systemen für den Sicherheits- und Verteidigungssektor in Deutschland, Europa und den USA eingesetzt. Ein weiteres zukunftsträchtiges Produkt sind die Laserkommunikationsterminals, die mit Laserstrahlen eine direkte Verbindung zum Transfer von Daten und Bildern zwischen Satelliten zur Erde herstellen können.Immer mehr Beschäftigte, die Systeme und Geräte für die Telekommunikation via Satellit entwickeln, fertigen und vertreiben, bedeutet gleichzeitig auch mehr Platzbedarf. Smutny hält es für möglich, Gebäudeteile, die von Ericsson verlassen beziehungsweise nicht mehr benötigt werden, anzumieten. Eines liegt dem Freund kulinarischer Köstlichkeiten sehr am Herzen: Dass die gemeinsam genutzte Kantine erhalten bleibt. Von der Qualität der Speisen ist er so angetan, dass dieser Umstand vor Jahren mit ausschlaggebend war für die Standortwahl Backnang, sagt er. Für die Stadt ein segensreicher Entschluss, meinte Dr. Frank Nopper. Der Oberbürgermeister, der sich ebenfalls gestern über die Situation der Firma informieren ließ, zeigte sich einerseits erfreut über das stetige Wachstum der High-Tech-Schmiede in der Murr-Metropole, sagte aber auch, dass er die Hoffnung, Ericsson in Backnang halten zu können, noch nicht aufgegeben hat.

von Florian Muhl, Backnanger Kreiszeitung vom 4. April 2008

 

Drei Neue für Lerchenäcker

Backnang/Aspach (rf) – Auch in diesem Jahr setzt sich der positive Trend für das von Backnang und Aspach betriebene interkommunale Industrie- und Gewerbegebiet Lerchenäcker ganz offensichtlich fort. Wie Backnangs Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper am Donnerstagabend im gemeinderätlichen Ausschuss für Technik und Umwelt mitteilte, steht die Ansiedlung von drei weiteren Unternehmen unmittelbar bevor. Es handelt sich um die Weida cnc GmbH, die Firma Maler Thom sowie die scp-Fahrzeugpflege GmbH.

Weida befindet sich gegenwärtig auf einer angemieteten Fläche im Backnanger Gewerbepark Fabrikstraße. Das Unternehmen arbeitet im Drei-Schicht-Betrieb und stellt mithilfe modernster Fertigungstechnologien der Laserbearbeitung Blechformteile und Baugruppen her. Weida, so Nopper gestern ergänzend auf Nachfrage, hat sich mit 35 Mitarbeitern als Zulieferer für eine Vielzahl von Betrieben im Backnanger Raum wie SMA Metalltechnik, FK-Automotive, Soehnle Professional und Kerres sowie als Zulieferbetrieb in der Automobilbranche (etwa für die Daimler AG) etabliert. Mit der Ansiedlung auf über 5000 Quadratmetern in den Lerchenäckern will das Unternehmen seine Marktposition weiter ausbauen.
Das Unternehmen scp lässt sich auf 4000 Quadratmetern nieder. Die Firma plant, erstellt und betreut eigene und fremde Waschanlagen und Fahrzeugpflegecenter, betreibt bisher zehn Standorte und wird nun in Backnang weiter expandieren. In den Lerchenäckern sind insgesamt etwa 30 Arbeitsplätze geplant.
Der Backnanger Betrieb Maler Thom befasst sich mit allen klassischen Maler- und Sanierungsleistungen. Es hat sich darüber hinaus ein zusätzliches Tätigkeitsfeld mit Instandhaltungsarbeiten für Energieversorger, der Sanierung von Kraftwerks- und Umspannanlagen, der Mastfußsanierung sowie mit Mastanstrichen geschaffen. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 10 Mitarbeiter und will sich in den Lerchenäckern auf einer Fläche von zirca 1800 Quadratmetern ansiedeln.

Backnanger Kreiszeitung vom 1. März 2008

 

Lerchenäcker-vom Sorgenkind zum Verkaufsschlager

Auf dem interkommunalen Gewerbegebiet bei Backnang wird fleißig gebaut-Trotzdem ist der alte Zeitplan nicht einzuhalten

BACKNANG/ASPACH. Man könnte von einer Trendwende sprechen: Auf dem Gewerbegebiet Lerchenäcker tut sich einiges. Die Stadt sei äußerst kooperativ, sagen Unternehmer, die sich für das Areal auf Backnanger und Aspacher Markung entschieden haben. Ursprünglich hatten die Chefs im Backnanger und im Aspacher Rathaus den ersten Abschnitt des interkommunalen Gewerbegebiets Lerchenäcker bis Ende 2011 an Firmen verkaufen wollen. Dieses ehrgeizige Vorhaben ist wohl nicht mehr zu schaffen. Doch seit gut einem Jahr steige die Nachfrage nach Grundstücken auf dem direkt an der B 14 gelegenen Areal, sagt der Wirtschaftsförderer der Stadt, Thomas Bernlöhr. Nicht nur die Nachfrage ist ganz offenkundig gut, auch die Verkaufszahlen können sich mittlerweile sehen lassen. Zurzeit wird auf drei Baustellen gleichzeitig geschafft.
Kommenden Montag erfolgt der nächste Spatenstich, dann beginnen die Bauarbeiten für die neuen Gebäude der Firma Soehnle, die von Murrhardt nach Backnang umzieht. Gleich neben dem Areal, das Soehnle gekauft hat, sind jetzt für eine freie Tankstelle mit Meisterwerkstatt und Autowaschanlage zwei riesige, jeweils 60 000 Liter Treibstoff fassende Behälter angeliefert worden. Der künftige Firmenchef Thomas Lex sagt, die Tankstelle werde Ende dieses Jahres eröffnen - noch ist indes nicht eine einzige Wand zu sehen. Die Bauarbeiter müssen sich ranhalten. Nur ein paar Hundert Meter weiter entfernt entsteht zurzeit der Gebäudekomplex der Armaturenfabrik Karasto, die ihren Sitz von Fellbach nach Backnang verlagert.
Solche Ansiedlungen, die tatsächlich neue Jobs und mehr Gewerbesteuereinnahmen nach Backnang bringen, sind dem Oberbürgermeister der Stadt, Frank Nopper, besonders lieb. Das reiche Fellbach könne die Abwanderung, verschmerzen, sagt Nopper. Der Architekt der Firma Karasto, Jürgen Treschl, hat gemeinsam mit der Geschäftsleitung den neuen Standort für die Traditionsfirma ausgesucht. Auf dem Gewerbegebiet Lerchenäcker stimme das Preis-Leistungsverhältnis, sagt er. In Fellbach hätte sein Auftraggeber rund 250 Euro pro Quadratmeter bezahlen müssen, in Backnang kostet der Quadratmeter nur 103 Euro. Karasto hat 6500 Quadratmeter erworben und beschäftigt knapp 70 Mitarbeiter. Die Stadt Backnang habe sich in den Verhandlungen als sehr kooperativ gezeigt, auch deshalb ziehe Karasto an die Murr. Die Aspacher Firma Grün, die seit 1993 Obstbrände und Liköre produziert, ist die dritte Firma, die zurzeit auf den Lerchenäckern baut.
Das Gewerbegebiet sei längst kein Sorgenkind mehr, sagt Nopper. Das Areal habe sich zwar noch nicht „zum Wunderkind“ entwickelt, aber wir spüren den Aufwind. Karsto, Soehnle, die Firma Grün sowie der künftige Tankstellenbetreiber hätten zusammen fas 20 000 Quadratmeter Fläche erworben, das Quartett werde demnächst rund 170 Mitarbeiter beschäftigen. 27 Prozent des ersten Bauabschnitts des Gewerbegebiets seien belegt. Wenn die weiteren Ansiedlungen wie geplant verlaufen, dann sei Ende dieses Jahres gut ein Drittel der Fläche vermarktet.
Zu den Firmen, die ganz konkret eine Ansiedlung planten, gehören der Großerlacher Betrieb Noller, der auf den Lerchenäckern ein Holzheizkraftwerk bauen will (wir berichteten) sowie ein paar kleinere Handwerksbetriebe. Derzeit arbeiten rund 350 Männer und Frauen in den Betreiben auf dem interkommunalen Gewerbegebiet, demnächst sollen es rund 500 sein. Der Zweckverband Lerchenäcker wird laut Geschäftsführer Siegfried Janocha Ende des Jahres noch etwa 16 Millionen Euro Schulden haben.

Von Martin Tschepe, Stuttgarter Zeitung vom 4. Oktober 2007

 

Bewegung im Industrie- und Gewerbegebiet

Imposant: Je 60 000 Liter Kraftstoff fassen die beiden Tanks, die am Dienstag in die Baugruben eingelassen
wurden. Foto: A. Wahl

Backnang (pm/wa) Etwa ein Viertel der Flächen im ersten Bauabschnitt des Industrie- und Gewerbegebiets Lerchenäcker sind belegt. Am Dienstagvormittag wurden zwei Mineralöltanks für die künftige Tankstelle an der B 14 geliefert. Bei einem Baustellenrundgang informierten sich am Nachmittag Vertreter des Zweckverbands, der ansiedelnden Unternehmen und der Architekten über den Stand der Dinge. Drei neue Bauprojekte haben in den vergangenen Wochen begonnen, beziehungsweise stehen unmittelbar vor dem Start. Die traditionsreiche Karasto Armaturenfabrik Oehler wird aus Fellbach in die Lerchenäcker ziehen. Im August war mit den Bauarbeiten auf einer 6 500 Quadratmeter großen Fläche begonnen worden (wir berichteten). Neben Verwaltungsräumen wird unter anderem ein modernes Lager entstehen. Wichtig für das Unternehmen: Am Standort in den Lerchenäckern stehen ausreichend Erweiterungsmöglichkeiten für weiteres Wachstum zur Verfügung. Die neuen Gebäude sollen im kommenden Jahr bezogen werden dann wird das Unternehmen auch sein 80-jähriges Bestehen feiern können. Karasto will nach eigenen Angaben etwa 55 Arbeitsplätze in das Gewerbegebiet mitbringen.
Als Büro- Produktions- und Vertriebsstandort für mehrere Läden sieht die Firma Grün Spirituosen ihren Standort in den Lerchenäckern. Das Unternehmen zieht von Aspach um und baut auf einer Fläche von 1500 Quadratmetern. Etwa 10 Mitarbeiter werden künftig ihre Arbeitsplätze in den Lerchenäckern haben. Begonnen wurde auch bereits mit den Arbeiten für die neuen Tankstelle an der B 14. Spektakulär war die Anlieferung der beiden Tanks mit jeweils 60 000 Litern Fassungsvermögen. Sie sind unterteilt in Kammern für vier Kraftstoffsorten und wurden am Dienstag noch in die Baugruben eingelagert. Die Familie Lex, die bisher die Total-Tankstelle in der Sulzbacher Straße im Pachtverhältnis betreibt, baut dort eine Freie Tankstelle. Der Familienbetrieb wird etwa 5 Mitarbeiter haben. In der kommenden Woche beginnen zudem die Arbeiten am Neubau von Soehnle Professional. Das Unternehmen zieht von Murrhardt nach Backnang. Mit den neuen Ansiedlungen steigt die Zahl der Arbeitsplätze in den Lerchenäckern auf insgesamt etwa 500.

Backnanger Kreiszeitung vom 3. Oktober 2007

 

Als Manager ein Schwergewicht
Wie Stephan Gerster aus der alten Waagenfirma Soehnle ein zukunftsträchtiges Unternehmen macht

MURRHARDT. Es gibt Menschen, die sagen, Stephan Gerster sei verrückt. Der 58-jährige Manager hat seinen Vorstandsposten beim Haushaltswarenkonzern Leifheit gekündigt und mit eigenem Geld eine kleine Firma in Murrhardt gekauft, die bis dato seinem Arbeitgeber gehörte.
Es ist nicht so, dass man ihn hat loswerden wollen. Erst drei Monate, bevor Stephan Gerster seinen Managerposten bei der Leifheit AG gekündigt hat, einem der führenden europäischen Anbieter von nichtelektrischen Haushaltsgeräten, war sein Vorstandsvertrag im hessischen Nassau verlängert worden. Der Mann, der im Unternehmen für die Bereiche Technik und Einkauf verantwortlich zeichnete, war wohlgelitten. Er hätte sich wie ein normaler Endfünfziger in gesicherten Verhältnissen langsam auf den Ruhestand vorbereiten können. Doch davon wollte Stephan Gerster nichts wissen. Er machte alles anders, kratzte sein privates Vermögen zusammen und kaufte mit Wirkung zum 1. April 2006 die Firma Soehnle Professional. Das einstige Murrhardter Familienunternehmen Soehnle, ein renommierter Waagenhersteller, war Mitte der neunziger Jahre in die Krise geraten und im Jahr 2000 schließlich an Leifheit verkauft worden. Der Konzern hatte es vor allem auf den wohlklingenden Namen der Haushaltswaagen abgesehen. An den Produktionsstätten in Murrhardt war man weniger interessiert, und so schrumpfte die traditionsreiche Firma, 1868 vom Schlosser Wilhelm Soehnle gegründet, Stück für Stück, bis die Produktion Ende 2005 endgültig eingestellt worden ist. Als Sanierer fungierte – Stephan Gerster.
Und der stellte bei der „Reorganisation“ des Unternehmens fest, dass dessen kleinster Teil, der mittlerweile ausgegliederte Bereich der Industriewaagenentwicklung, erhebliches Potenzial besitzt. Doch ausgerechnet den betrachtete man beim auf Haushaltswaren konzentrierten Eigner Leifheit als Kröte, die man beim Kauf hatte schlucken müssen, weil die Verkäuferfamilie dies zur Bedingung gemacht hatte. Dem Manager Gerster kam folglich die Aufgabe zu, Soehnle Professional zu verkaufen. Aber das gestaltete sich schwierig. „Mir war schnell klar, dass man die Firma nur an jemanden verkaufen kann, der sie auch weiterführen will“, sagt er. Ein Konzern mit eigenen Einkaufs-, Vertriebs- oder Entwicklungsabteilungen hätte mit dem Murrhardter Personal kaum etwas anfangen können und neben dem Kaufpreis deshalb auch einen teuren Sozialplan finanzieren müssen. Unter dem Strich hätte eine zusätzliche sechsstellige Summe gestanden. Eines Tages machte Gerster dem Aufsichtsrat einen Vorschlag, von dem er selbst „wie angefixt“ war. Allen Ernstes bot er der Firma an, ihr den Murrhardter Betrieb abzukaufen. Im obersten Kontrollgremium der Aktiengesellschaft glaubte man an einen Scherz – und lachte herzhaft. Als eine weitere Pointe ausblieb und Gerster seinen Vorschlag wiederholte, kehrten die Herren zur Förmlichkeit zurück. Er möge ein schriftliches Angebot unterbreiten, dann könne man weitersehen. Gerster machte eine konkrete Offerte, und zweieinhalb Jahre später ging das Unternehmen darauf ein. Mit 57 Jahren wurde der gebürtige Bremer das, was er „eigentlich schon immer hatte werden wollen“, selbstständiger Unternehmer. Er habe es seitdem „nicht eine Sekunde bereut“. „Das Leben als Vorstand ist eins mit ständigen Kompromissen. Die muss ich nun nicht mehr machen.“ Die Annehmlichkeiten, die er in seinem früheren Unternehmen hatte, das mehr als 20-mal so viel Umsatz verbucht wie sein jetziges, gehören freilich auch der Vergangenheit an. Das große Büro, die Vorzimmerdamen, die für den Vorstand alles perfekt organisieren – bequem sei das schon gewesen, doch das vermisse er nicht, sagt Gerster. An der neuen Firma schätzt er offenkundig nicht nur, dass es seine eigene ist. Er schwärmt von der enormen Innovationskraft bei Soehnle Professional, von der Flexibilität seiner Mitarbeiter, von der Geschwindigkeit, mit der Ideen in die Tat umgesetzt werden können, von den kurzen Entscheidungswegen. „Bei Leifheit“, sagt Gerster, „war ein Drittel der Arbeit Besprechung, ein Drittel operative Kontrolle und nur ein Drittel Weiterentwicklung – hier sind es 100 Prozent.“
Die Firma hat im ersten Jahr unter dem neuen geschäftsführenden Gesellschafter ein enormes Tempo vorgelegt. Gerster hat sich vorgenommen, alle zwei bis drei Monate mindestens ein neues Produkt auf den Markt zu bringen und noch mehr als die zurzeit etwa 25 Patente anzumelden. Die Innovationskraft sei die Stärke des mit 72 Mitarbeitern vergleichsweise kleinen Betriebs. Auf einen Preiskrieg bei eingeführten Produkten werde man sich nicht einlassen. „Den kann ein europäisches Unternehmen nicht mehr gewinnen“, sagt Fachmann Gerster. China überschwemme den Markt der einfachen Wägetechnik nur so mit Billigprodukten. Der Kurs scheint zu stimmen. Soehnle Professional ist nur neun Monate nach Gersters Antritt von einer Jury unter der Federführung des Wiener Wirtschaftsprofessors Nikolaus Franke unter die 100 innovativsten mittelständischen Unternehmen Deutschlands gewählt worden. In der hohen Geschwindigkeit, mit der die Firma ihre neuen Produkte auf den Markt bringe, liege ein maßgeblicher Wettbewerbsvorteil des Unternehmens, lautete eine Begründung für die Platzierung. Beispielhaft wurde ein sogenanntes Stützmuskelanalysegerät zur Früherkennung von Osteoporose-Risiken genannt. Als mittelfristiges Ziel hat sich Stephan Gerster vorgenommen, den Umsatz des Unternehmens (derzeit 12 Millionen Euro) binnen fünf bis acht Jahren zu verdoppeln und mit einer Reihe von neuen Produkten Aufsehen zu erregen. Doch Wachstum ist nicht alles. „Ich stelle mir vor, eine ganz andere Firma zu sein“, sagt der Manager. In den neuen Räumen in den Backnanger Lerchenäckern, die jetzt gebaut werden sollen und in die man im kommenden Jahr einziehen will, werde es keine Einzelbüros und keine Trennwände geben. Kommuniziert werden soll nicht per E-Mail, sondern von Angesicht zu Angesicht. Statt einer Kantine soll ein italienisches Bistro gebaut werden, in dem man sich jederzeit zu Gesprächen treffen kann. Die Hierarchie soll so flach wie möglich gehalten werden, „ansonsten verlieren wir unsere Gelenkigkeit“. Und bei Einstellungen spiele das Alter keine Rolle, sondern das, was der Bewerber zu leisten bereit und in der Lage ist. Gerster hat einen 63-jährigen Fachberater für den französischen Markt engagiert, „ein hervorragender Mann, der fantastische Umsätze macht“. Auch aus dem Arbeitgeberverband ist der neue Chef ausgetreten. Nicht, wie er behauptet, um den Tariflohn zu unterwandern, sondern weil er sich an dieser Stelle nicht gut aufgehoben fühlt. Dort würden die Interessen der Großindustrie vertreten und Mittelständler wie er einfach mit über einen Kamm geschoren. „Wer ordentlich mit seinen Mitarbeitern umgeht, kann seine Verträge selbst regeln und muss dies nicht über Gewerkschaften aushandeln“, sagt der Mann, der seinen beruflichen Werdegang in einer Bremer Werft begonnen hat. „Ich habe mal Stahl getragen und Arsch an Arsch mit meinen Kollegen unter der
Dusche gestanden“, sagt der Manager, „das habe ich nicht vergessen.“
Als er seine Mitarbeiter anfangs gebeten habe, 40 Arbeitsstunden pro Woche zu arbeiten, um die Schlagkraft zu erhöhen, sei jeder bereit dazu gewesen. Im Gegenzug müsse man als Unternehmer bereit sein, ein Stück abzugeben, wenn es der Firma gut gehe. „Dann entsteht Zufriedenheit.“ In diesem Jahr soll jedem Soehnle-Mitarbeiter eine Prämie von 300 Euro ausgezahlt werden. Für Stephan Gerster ist Soehnle kein Job – er ist beseelt von seiner neuen Aufgabe. Seine Augen funkeln, wenn man ihn nach der Zukunft seines Unternehmens fragt, und der ganze Körper geht mit, wenn er von den Produkten seines Betriebs schwärmt. „Genau darum geht es – wie sieht einmal die Welt des Wiegens aus?“ philosophiert er und liefert die Antwort gleich mit: „Ganz anders. Waagen sind heute, die Zukunft ist Information. Und in diese Welt wollen wir rein.“
Die Firma, sagt der Chef, sei bereits jetzt durch eine Kombination von Wiege- und Informationstechnik in der Lage, den Mautbetrug auf deutschen Autobahnen zu verhindern, denn der werde in erster Linie durch Überladen der Lastwagen betrieben. Seine Firma habe eine Technik entwickelt, mit der
das tatsächliche Gewicht der Fahrzeuge direkt auf die Mautbrücke gefunkt werden könne. Das Betreiberkonsortium Tollcollect soll dem Vernehmen nach daran interessiert sein. Stephan Gerster ist in seinem Element, in Murrhardt scheint er seine Bestimmung gefunden zu haben. Was aber, wenn ihn irgendein Aufsichtsrat zurück in den Vorstandssessel heben will? „Sie meinen bei doppeltem Gehalt? Nein, ganz bestimmt nicht.“

Von Frank Rodenhausen, Stuttgarter Zeitung vom 18. September 2007

 

Soehnle baut neue Residenz in Backnang

Das Unternehmen bricht seine Zelte in Murrhardt ab – Bauarbeiten im Gewerbegebiet Lerchenäcker starten im November
Backnang/Murrhardt – Der Waagenhersteller Soehnle Professional wird Murrhardt verlassen und nach Backnang gehen. Weil der Mietvertrag auf dem Gelände an der Wilhelm-Soehnle-Straße im August 2008 ausläuft, suchte die Firma händeringend nach einem geeigneten Standort, den sie nun im Backnanger Industrie- und Gewerbegebiet Lerchenäcker gefunden hat.
Seit Anfang 2006 ist das Traditionsunternehmen Soehnle Professional wieder selbständig. ursprünglich von der Leifheit AG übernommen, kaufte Stephan Gerster das Unternehmen, um am Standort Murrhardt weiterhin Industriewaagen für den industriellen und medizinischen Bereich herzustellen.
Die Firma schien saniert und verbuchte noch vor kurzem besondere Anerkennung für ihre Entwicklung – das Gütesiegel „Top 100“, mit dem sie zu den 100 innovativsten im deutschen Mittelstand gehört. Doch hinter den Kulissen fanden schon lange Verhandlungen, um einen neuen Standort statt. Denn das Gelände in Murrhardt, das noch der Leifheit AG gehörte, wurde im Juni an den Investor Südsolar aus Stuttgart verkauft. Somit stand für die Firma Soehnle fest, dass sie Ende Juni 2008 die Räume verlassen haben muss.
„Wir haben mit der Stadt Murrhardt natürlich intensiv verhandelt, aber auch mit anderen Bürgermeistern gesprochen“, sagt Stephan Gerster, geschäftsführender Gesellschafter der Soehnle Professional. Dass sich das Unternehmen nur für Backnang un das Gewerbegebiet Lerchenäcker entschieden habe, läge schlichtweg daran, dass sich dort das geeignetste Grundstück befunden hätte. „Die Grundstücke in Murrhardt waren einfach zu eng und von der Lage her nicht so günstig“ erläutere Gerster. Dabei sei eine ganze Matrix an Kriterien in die Entscheidung eingeflossen, Klarer Pluspunkt für Backnang: „Wir können direkt an der B14 bauen“, erklärte der Soehnle-Chef. Auch was die Infrastruktur anbelange, sei man hier klar im Vorteil: Die Baugenehmigung sei schnell zu bekommen. Wasser schon verlegt. Dass die Sache schnell gehen muss liegt auf der Hand: Bereits in zehneinhalb Monaten muss Gerster mit seinen Mitarbeitern sprich Produktion, Entwicklung und Verwaltung, ausgezogen sein. „Da sind schnelle Entscheidungen gefragt“ sagte er.
Als er gestern seinen 72-köpfigen-Belegschaft mitteilte, dass der Umzug nach Backnang bevorsteht, seine die Reaktionen ganz unterschiedlich ausgefallen. „Ein Drittel ist froh, weil sie bereits in Backnang leben, einem weiteren Drittel ist es im Grunde gleichgültig, weil sie so oder so zwischen beiden Städten pendeln müssen“, erklärte Gerster „Das letzte Drittel bedauert es, weil die Mitarbeiter aus Murrhardt sind“. Mit Soehnle verliert die Stadt Murrhardt – und das sei Gerster natürlich bewusst – neben der Gewerbesteuer auch eine kaufkräftige Klientel. „Bei uns sind auch viele Spezialisten, Ingenieure und Entwickler beschäftigt“. Gestern morgen wurde der Kaufvertrag unterschrieben. Bereits im November diesen Jahres soll mit dem Bau auf der 8 000 Quadratmeter großen Fläche begonnen werden. Auch hat das Unternehmen von der Stadt Backnang die Möglichkeit eingeräumt bekommen, auf weitere 12 000 Quadratmeter zu expandieren, über eine so genannte Optionsfläche (vor Verkauf an einen anderen Interessenten wird angefragt). Solch eine Möglichkeit habe es für ihn in Murrhardt nicht gegeben, auch wenn er die Bemühungen der Stadt Murrhardt sowie von Seiten Rolf Barreuthers vom Unternehmensforum Oberes Murrtal anerkenne. Er wie auch Bürgermeister Dr. Gerhard Strobel hatten ebenso Flächen in den Gewerbegebieten „Hausen Ost“ sowie „Mühlwiesen“ in die Diskussion gebracht. Strobel bedauert es, dass das Traditionsunternehmen der Stadt nun den Rücken kehren wird. „Soehnle hat als Technikspezialist natürlich eine enorme Leuchtturmfunktion für Murrhardt innegehabt“, sagte er. „So ein Verlust ist natürlich schmerzlich, das ist gar keine Frage“.

Von Christine Schick, Backnanger Kreiszeitung vom 23. August 2007

 

Ein Investitionsboom, der seinesgleichen sucht

"Wenn nicht die Schatten wären, die die Entwicklungen bei Ericsson werfen, könnte man beinahe euphorisch werden." Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper strahlte trotzdem, als er bei den Backnanger Wirtschaftsgesprächen verkündete, dass sich die Gesamtinvestitionen in der Stadt in den nächsten Jahren auf rund 120 Millionen Euro summieren. Nopper sprach von einem Investitionsboom, der seinesgleichen sucht und den Backnang seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hat. Er listete auf: Die Häussler-Gruppe will in der Oberen Walke in einer innenstadtnahen Lederbrache, "die sich in einem beklagenswerten Zustand befindet", 48 Millionen Euro investieren. Die Baywa plant an der Weissacher Straße für 17
Millionen Euro den größten Baywa-Bau- und Gartenmarkt Süddeutschlands zu errichten.
Der Großerlacher Unternehmer Peter Noller plant in den Lerchenäckern ein modernes Holzheizkraftwerk für 20 Millionen Euro. Der Umzug der Karasto Armaturenfabrik Oehler von Fellbach nach Backnang wurde zwar schon vergangenes Jahr verkündet, doch jetzt geht es wirklich mit dem ersten Spatenstich los. Endlich einmal konnte Nopper vom Sorgenkind Lerchenäcker Positives berichten. "Wenn alle gegenwärtig konkret geplanten Ansiedlungen in den Lerchenäckern zustande kommen, sind annähernd ein Drittel der Flächen verkauft."
Auch die Bauarbeiten für ein Seniorenzentrum am Aspacher Tor erwähnte das Stadtoberhaupt, dort wollen die Investoren 14 Millionen Euro in die Hand nehmen. Der Schweizerbau und die städtischen Investitionen ins neue Hallenbad (14 Millionen) und die Halle Katharinenplaisir (4 Millionen), rundeten die Aufzählung ab. Der Vorsitzende des Industrievereins, Harro Höfliger, setzte sich erneut vehement für den Hochschulstandort Backnang ein. Der Chef der Harro Höfliger Verpackungsmaschinen GmbH trichterte den Gästen ein, die Installation eines Vorlesungsstandortes "ist ein absoluter Selbstzweck der Unternehmen, denn der Fachkräftemangel dürfte in den nächsten Jahren eklatant steigen". Schon heute sei dies ein großes Problem. Er informierte ferner, dass etwa Shanghai (17 Millionen Einwohner) mehr Ingenieure ausbildet als ganz Deutschland. Erfreuliches vermeldete er von der Gründung eines Kompetenzzentrums für Verpackungstechnik und Automatisation. Der Landkreis, die IHK und der Industrieverein haben demnach die Grundlagen für ein Konzept erarbeitet. Die Reaktion aus der Industrie war Höfliger zufolge außerordentlich positiv. Inzwischen liegen für dieses Kompetenzzentrum Bewerbungen von Backnang, Waiblingen und Schorndorf vor. Am Ende konnte sich Höfliger eine Bemerkung zum Thema Krankenhausneubau nicht verkneifen. Höfliger, erklärtermaßen Anhänger der Neubauplanung, wandte sich direkt an den Backnanger Standortkämpfer Nopper, "Sie können aufatmen, das Thema Backnanger Kreiskrankenhaus habe ich bewusst nicht angesprochen. Allerdings: Eine Laudatio auf das Krankenhaus, wie Sie mir vorgeschlagen haben, werde ich auch nicht halten." Damit hatte Höfliger die Lacher auf seiner Seite, und Noppers Standpunkt war auch nicht beschädigt.

Backnanger Kreiszeitung vom 20. Juli 2007

 

Ohne Revolution wenig Chancen

Eine kleine Aufmerksamkeit. So heißt es mitunter, wenn beispielsweise mit
einem Blumenstrauß Danke gesagt wird. Auch Christiane Seydelmann erhielt als Gastgeberin ein Gebinde, doch dieses überzeugte nicht nur durch Schönheit, sondern auch durch Größe. Für Ehemann Peter war klar, damit sind für die Zukunft Maßstäbe gesetzt. Seine feine Kritik: "Derartig große Blumensträuße sind pädagogisch und psychologisch nicht günstig."
Peter Seydelmann war von Kirchhofs Vortrag sehr angetan. Aber er gab zu bedenken: "Wenn ich Politiker zu Steuerthemen sprechen höre, dann komme ich mir vor, als würde ein Metzgermeister eine Dissertation über Vegetarismus vorlegen." Er fragte sich, wie man Politiker dazu bringen könne, die Vorschläge umzusetzen. "Ohne Gewalt und Revolution sehe ich da wenig Möglichkeiten", frotzelte der Schlossherr. Das Büfett war auch dieses Mal vom Feinsten, etwa 6 000 Spieße wurden verspeist. Die Veranstalter die Stadt Backnang, der Industrieverein für den Raum Backnang und der Gewerbeverein Backnang haben sich nicht lumpen lassen. Mitgeholfen haben 59 Sponsoren der regionalen Wirtschaft sowie die Dinkelacker-Schwabenbräu GmbH. Zur Erinnerung konnte jeder Besucher auf den Nachhauseweg eine Flasche Straßenfestbier mitnehmen.

Backnanger Kreiszeitung vom 20. Juli 2007

 

"Deutschland hat die Kraft zum großen Wurf"

Backnang - Zwischen dem modernen Staat und seinen Bürgern gibt es eine wechselseitige Verantwortung. Einige moderne Entwicklungen stören dieses Zusammenspiel, weshalb Paul Kirchhof bei den 5. Backnanger Wirtschaftsgesprächen in vielen Bereichen ein Umdenken fordert. Sein
bekanntestes Beispiel: das deutsche Steuerrecht.
Als der Professor aus Heidelberg rückte Kirchhof im Bundestagswahlkampf 2005 als designierter Finanzminister ins Rampenlicht. Wie hinreichend bekannt, kam es anders. Dr. Dr. Paul Kirchhof ist heute immer noch Direktor des Instituts für Finanz- und Steuerrecht der Uni Heidelberg und fragt seine Zuhörer so zu Beginn seines Vortrags zum Thema Erneuerung: "Haben wir in Deutschland die Kraft zum großen Wurf?" Und fügt gleich seine Antwort an: "Ich werde diese Frage am Ende meines Vortrags sehr deutlich bejahen."
Die Freiheitsrechte laut Verfassung sind für ihn Angebote, die ein Bürger annehmen, aber auch ausschlagen kann. Er kann sich wie Diogenes zu einem Leben im Fass entscheiden und nie arbeiten, er kann eine Familie gründen, er kann zu Wahlen gehen. Oder eben nicht. Doch sollte die Mehrheit der Bürger sich gegen Arbeit, Kinder oder Wahlen entscheiden, "dann würden wir in Freiheit unsere Zukunft verlieren". Die Verfassung jedoch erwartet, dass der Mensch von seiner Freiheit Gebrauch macht, um wirtschaftliche Prosperität zu sichern und der sozialen Marktwirtschaft eine Basis zu geben. "In der Demokratie verhält sich das Staatsvolk zum Staat wie die Hand zum Handschuh. Der Handschuh ist aus sich heraus bewegungslos, nur durch die Hand gewinnt er Handlungsfähigkeit. Die Kunst der Verfassung ist es, den Handschuh so zu stricken, dass er dicht ist und die Hand gegen Kälte und Verletzungen schützt, aber hinreichend offen ist, um die Hand nicht in ihrer Beweglichkeit zu hindern."
Grundlage dieser Demokratie ist das Vertrauen. Aber eben dieses Vertrauen wird immer mehr zerstört. Der Heidelberger nennt etwa das Antidiskriminierungsgesetz. Es wird nicht mehr darauf vertraut, dass ein Arbeitgeber verantwortungsvoll handelt, sondern es wird ein Gesetz beschlossen und eine neue Behörde zur Überwachung geschaffen. Nicht nur einmal bemüht Kirchhof ein Beispiel aus der Welt des Sports. Man stelle sich einen Fußballtrainer vor, der sein Team verstärken will. Würde er nach jungen, gesunden, männlichen Spielern suchen, so müsste er sich ginge es nach den Buchstaben des Gesetzes warm anziehen. Kirchhof fordert daher "durchdachte Gesetze". Dazu zählt nicht die 28 Seiten dicke
Sonnenscheinrichtlinie, die er unter dem Gelächter des Publikums erläuterte, und auch nicht alle 56 000 Paragrafen des Steuerrechts, die man kennen müsste, wollte man alles richtig machen. "Das kann kein Mensch, und wenn doch, dann wüsste ich einen guten Arzt für ihn",

Matthias Nothstein, Backnanger Kreiszeitung vom 20. Juli

 

2007Verwaltungsgerichtshof Mannheim bestätigt Planfeststellungsbeschluss des Regierungspräsidiums für 2. Bauabschnitt des Neubaus der B 14 Nellmersbach-Backnang - Andriof: Wichtiger Impuls für den Neubau

Regierungspräsident Dr. Udo Andriof hat das heutige Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Mannheim begrüßt, mit dem der Planfeststellungsbeschluss des Regierungspräsidiums für den 2. Bauabschnitt des Neubaus der B 14 zwischen Winnenden und Backnang bestätigt wurde: "Diese Entscheidung ist ein wichtiger Impuls, um den 2. Bauabschnitt auf den Weg zu bringen." Durch diesen 7,54 km langen “nördlichen Bauabschnitt” werde der Lückenschluss zwischen Stuttgart und Backnang erreicht und damit der Raum Backnang an das 2-bahnige Fernstraßennetz angeschlossen. Bei dem Prozess hatten sich die Kläger insbesondere gegen die dem Planfeststellungsbeschluss zugrunde liegenden Verkehrsgutachten sowie die Trassenführung gewandt. Einer der Kläger - ein Landwirt - hatte ferner eine Existenzgefährdung sowie die Gefährdung eigener Gebäude vorgetragen.
Demgegenüber war die Planfeststellungsbehörde nach eingehender Auseinandersetzung mit diesen Fragestellungen, eingehender Berücksichtigung der Argumente der Kläger und Einholung verschiedener ergänzender Gutachten zu der Überzeugung gelangt, dass keine Zweifel an der Richtigkeit der Verkehrsgutachten, der darin enthaltenen Verkehrsprognose sowie der Trassenauswahl bestehen.
Auch eine Existenzgefährdung wurde von der Planfeststellungsbehörde nach Einholung eines landwirtschaftlichen Gutachtens sowie ergänzender Stellungnahmen verneint. Die nunmehr vom Verwaltungsgerichtshof bestätigte Trasse schließt bei Leutenbach an den südlichen Bauabschnitt an, verläuft auf der bestehenden Trasse der B 14 bis Waldrems und führt in einem Tunnelbauwerk mit einer Länge von 135 m zwischen den Wohngebieten von Waldrems und dem Gewerbegebiet hindurch. In einem Einschnitt verläuft dann die Trasse entlang der bisherigen B 14 und unterquert diese im Bereich der „alten Schule“, wird dann über den Maubach geführt und in diesem Bereich auf einer Länge von 232 m überdeckelt. Danach verläuft die Trasse zwischen den Ortsteilen Heiningen und Maubach in einem Einschnitt. Weitgehend dem heutigen Straßenverlauffolgend wird Backnang südlich und westlich umfahren und das Murrtal mit zwei neuen 416m langen Brückenbauwerken überquert. Der Neubauabschnitt endet westlich von Backnang mit Anschlüssen an den Bestand der B 14 und der L 1115. Das mit ca. 100 Mio. € veranschlagte Straßenbauvorhaben ist der nördliche von 2 Bauabschnitten des insgesamt 13 km langen Neubaus der B 14 zwischen Winnenden und Backnang. Der südliche Bauabschnitt - Anschlussstelle Winnenden-Süd bis Gemarkungsgrenze Leutenbach/Backnang - ist bereits rechtskräftig planfestgestellt und im Bau. In der zweiten Jahreshälfte 2008 beabsichtigt das Regierungspräsidium mit dem Bau der neuen Brücke als Ersatz für das bestehende Murrtalviadukt zu beginnen.

Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 17. Juli 2007

 

Firmen und Konsortien planen Sanierungs- und Neubauprojekt für zusammen mehr als 100 Millionen Euro

BACKNANG. Wenn alle Projekte realisiert werden, die Privatinvestoren zurzeit in Backnang angestoßen haben, dann summieren sich deren geplante Ausgaben auf gut 100 Millionen Euro. Die Murrstadt ist offenbar attraktiv wie kaum eine andere vergleichbare Kommune in der Region.
Von Martin Tschepe
Es ist noch gar nicht so lange her, da konnte man den Eindruck gewinnen, dass in Backnang bald die letzten verbliebenen Geschäfte in der Kernstadt schließen. Allerorten wurde geklagt und gejammert. Es hieß, die großen Einkaufsmärkte auf der grünen Wiese machten der Innenstadt den Garaus. Jetzt sieht die Sache auf einmal ganz anders aus: In den vergangenen Wochen haben mehrere Investoren erklärt, dass sie in Backnang ihr Glück finden und in der rund 35 750 Einwohner zählenden Stadt große Summen ausgeben wollen.
Kürzlich hat die Stuttgarter Häussler-Gruppe in einem Gemeinderatsausschuss verkündet, dass sie sich das gesamte, 6,5 Hektar große Areal der Oberen Walke notariell gesichert habe. Die Firmengruppe, die in Stuttgart unter anderem das Carl-Benz-Center und die Schwabengalerie realisiert hat, will rund 48 Millionen Euro investieren. Geplant sind riesige Einzelhandelsflächen, unter anderem ein Baumarkt mit bis zu 15 000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Bereits beschlossene Sache ist, dass der Baywa-Konzern in der Weissacher Straße einen Bau- und Gartenmarkt für rund 17 Millionen Euro bauen darf. Die Zahl der Beschäftigten der Münchener Firmengruppe werden in Backnang von 30 auf 100 steigen. Der Markt soll im Herbst 2008 eröffnet werden. Der so genannte Schweizerbau, der bis 2002 das Traditionskaufhaus Max Mayer beherbergt hat, wird wiederbelebt. Der Investor will das alte Backsteingebäude am Rande der Innenstadt aufwendig sanieren. Im Erdgeschoss soll es nach der Vollendung des Projekts knapp 6000 Quadratmeter Verkaufsfläche geben. Im ersten Stock entsteht laut Jürgen Klein von der Reiß & Co GmbH ein Parkdeck mit insgesamt 120 Stellplätzen, für das zweite Stockwerk sind Büros geplant und für ganz oben 30 zweigeschossige Wohnungen mit 110 bis 130 Quadratmeter Fläche. Doch es sind nicht ausschließlich Einzelhändler, die es nach Backnang zieht.
Ebenfalls am Rande der Kernstadt, in der Aspacher Straße, sollen Ende dieses Jahres die Bauarbeiten für ein Seniorenzentrum mit Pflegeplätzen, betreuten Wohnungen und einem Ärztehaus beginnen. Die Investoren wollen 14 Millionen Euro ausgeben. Und die Industrie hat offenbar erkannt, dass die Murrstadt gar kein so schlechtes Pflaster ist. Laut dem Backnanger Wirtschaftsförderer Thomas Bernlöhr interessierten sich in jüngster Zeit sowohl Unternehmen aus dem Zentrum der Region Stuttgart als auch Firmen aus ländlichen Gebieten für die Murrstadt. Beste Beispiele seien die Fellbacher Firma Karasto, die ihren Sitz nach Backnang verlegt, und der Landschaftspflegebetrieb Noller aus Großerlach, der mit Partnern für rund 25 Millionen Euro den Bau eines modernen Heizkraftwerks und außerdem die komplette Verlagerung des seit 25 Jahren bestehenden Betriebs auf das Gewerbegebiet Lerchenäcker plant.
Der Sprecher der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS), Helmuth Haag, bezeichnet die geplanten Investitionen in Backnang von insgesamt mehr als 100 Millionen Euro als „außergewöhnlich groß“. Weshalb ist Backnang so interessant für Geldgeber und Unternehmer? Die Murrstadt bindet sehr viel Kaufkraft, das hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Stuttgart bereits vor knapp zwei Jahren auch zur eigenen Überraschung in einer Studie festgestellt. Beim Einzelhandelsumsatz je Einwohner lag Backnang in der Expertise vom August 2005 mit 8482 Euro auf Platz drei in der gesamten Region Stuttgart, noch vor Böblingen (8101 Euro) und hinter den beiden Städten Ludwigsburg (9334 Euro) und Sindelfingen (8488 Euro). Backnang habe ein riesiges Einzugsgebiet mit mindestens 120 000 Einwohner, sagt der städtische Wirtschaftsförderer Bernlöhr. Das sei einer der wichtigen Gründe für den Erfolg. Erst kürzlich hätten sich die Projektmanager, die unter anderem das Beuningerland in Ludwigsburg und in Sindelfingen betreiben, in Backnang umgesehen. Wenn die passende Immobilie zu finden sein, dann so hieß es bei der Stippvisite, bestehe Interesse auch in Backnang ein großes Einkaufszentrum anzusiedeln, sagt Bernlöhr. Der Einzelhandelsverband Baden-Württemberg mahnt die Stadt indes: ein Einzelhandelskonzept müsse her. Nur mit Hilfe solch eines Regelwerks, das festlegt, welche Waren wo verkauft werden dürfen, könnten die etablierten Geschäfte in Backnang vor allzu großer Konkurrenz geschützt werden. Auch der Verband Region Stuttgart hat kürzlich die Verabschiedung eines Einzelhandelskonzepts angemahnt, andernfalls könne das von der Häussler-Gruppe geplante 48-Millionen-Euro-Projekt nicht verwirklicht werden.
Für Johannes Berner, dem Wirtschaftsförderer des Landkreises, sind drei Verkehrsprojekte ein weiterer Grund für das steigende Interesse der Investoren an Backnang: der S-Bahn-Ringschluss zwischen Backnang und Marbach, der Neubau der Bundesstraße 14 und der Ausbau des Autobahnzubringers in Richtung Mundelsheim. Ähnliche Projekte hätten andernorts in der Region bereits „Wunder gewirkt“ sagt Berner.
WRS-Mann Haag sagt, Backnang habe auch Glück in der zurzeit günstigen konjunkturellen Phase. In der Stadt gebe es sowohl Industriebrachen, zum Beispiel die Obere Walke, die Häussler gerne bebauen will, als auch voll erschlossene Gewerbegrundstücke in den Lerchenäckern. Deshalb könnten falls alle Interessenten bedient werden. Außerdem „stimmt in Backnang der Rahmen“ sagt Haag. „Der Wirtschafsöderer macht einen guten Job, und der Oberbürgermeister Frank Nopper hat gute Kontakte“.

Von Martin Tschepe, Stuttgarter Zeitung vom 18. Mai 2007

 

Bodenständiger Bauer wird Großinvestor in Backnang

Peter Noller will für 25 Millionen Euro ein Heizkraftwerk bauen, einen Golfplatz und einen Landschaftspflegebetrieb besitzt er bereits

GROSSERLACH. Peter Noller ist Landwirt. Große Worte sind nicht seine Sache. Der 46-Jährige aus Großerlach-Schönbronn erzählt nicht viel - viel lieber packt er mit an. Seiner Familie gehört ein riesiger Bauernhof, ein Golfplatz und demnächst wohl auch noch ein Kraftwerk.

Peter Noller ist beliebt - jedenfalls auf dem Golfplatz in Marhördt bei Großerlach und beim Backnanger OB Frank Nopper. Noller ist Landwirt, seine Familie betreibt seit Generationen einen Hof mit rund 130 Hektar Weideland und etwa 100 Milchkühen. Im Laufe der vergangenen 25 Jahre hat der Vater von vier minderjährigen Kindern zusätzlich einen Landschaftspflegebetrieb aufgebaut, der 43 Beschäftigten Lohn und Brot gibt. Als der Golfplatz Marhördt vor ein paar Jahren in finanzielle Turbulenzen geraten ist, hat Noller nicht lange gefackelt und das Areal übernommen. Wenig später wurde der Nicht-Golfspieler auch noch der Präsident des Klubs. Heute, sagt der 46-Jährige und lacht, heute spiele er sogar gelegentlich, allerdings mehr schlecht als recht.
Wer einen Termin mit diesem Tausendsassa bekommt, der kann sich glücklich schätzen.
Eigentlich wolle er doch gar nichts erzählen, sagt Noller dann beim Mittagessen in seinem Restaurant Landhaus auf dem Golfplatz. Und das ist vermutlich keine Koketterie. Dieser Mann würde in einem seiner Betriebe viel lieber mit anpacken oder die nächste Großinvestition vorantreiben: Noller plant gemeinsam mit einem Partner und anderen Investoren den Bau eines Heizkraftwerks auf dem Gewerbegebiet Lerchenäcker beiBacknang. Es geht um rund 25 Millionen Euro sowie den Umzug des gesamten Betriebs
Noller Landschaftspflege von Großerlach in die Murrstadt. Der Großerlacher Schultes Christoph Jäger ist nicht erfreut, er verliert einen wichtigen Gewerbesteuerzahler. Aber der Backnanger OB macht Luftsprünge. Noller werde zur Belebung des 2001 erschlossenen Businessparks Lerchenäcker beitragen, auf ihn, den "bodenständigen Typen", könne man vertrauen, sagt der Backnanger Stadtchef. Bodenständig? Nach einer kurzen Denkpause erklärt Noller, dass er sich mit diesem Wort ganz gut beschrieben fühle.
Nicht nur die Mitglieder des Golfklubs mögen diesen Mann mit dem verschmitzten Lachen und den kräftigen Armen. Er hat den Platz gerettet, die Anlage sei "die landschaftlich schönste" weit und breit. Das sagt eine Golferin aus Fellbach. Peter Noller hat ein Händchen für neue Projekte. Was er anpackt, das scheint zu gelingen. Diese Gabe muss ihm in die Wiege gelegt worden sein. Der Spross einer alteingesessenen Familie aus Schönbronn hat jedenfalls "nur" Landwirt gelernt, keine kaufmännische Ausbildung gemacht und schon gar nicht studiert. Dafür, sagt Noller, habe er schlicht keine Zeit gehabt. Sein Vater ist früh gestorben, also musste der Sohn als junger Mann im elterlichen Betrieb einspringen.
Noller macht alles "Schritt für Schritt", wie er sagt. 1981 hat er angefangen, seinen Landschaftspflegebetrieb aufzubauen, der ganz langsam gewachsen sei. Als er den Golfplatz übernommen hat, sei auf dem Areal kaum mehr als eine alte Scheuer gestanden, der Verein habe nur rund 120 Mitglieder gezählt. Heute arbeiten fast ein Dutzend Angestellte in dem
Golfplatz-Restaurant mit dem riesigen, teuren Gewölbekeller. Der Klub hat 700 Mitglieder. "Wir stehen auf einem guten Fuß, riesige Gewinne machen wir nicht." Der Verein müsse weiter wachsen.
Mit dem gleichen Elan soll in den nächsten Monaten auch das Holzheizkraftwerk in Backnang entstehen. Noller und seine Partner wollen, dass die Anlage mit dem 21 Meter hohen Kesselhaus spätestens Ende 2008 rund 34 Megawatt Strom erzeugt. Eine Menge, die rein rechnerisch ausreiche, um etwa 10 000 Haushalte zu versorgen. Acht bis zehn zusätzliche Arbeitsplätze sind im Gespräch. Das Projekt hat den Segen der Umweltfachleute des Landratsamts. Außer Strom wird das Kraftwerk auch Wärme produzieren, die günstig abgegeben werden soll. Diese Tatsache könnte laut OB Nopper andere Betriebe zu einer Ansiedlung im Gewerbegebiet veranlassen. Wenn es nach dem Investor aus Großerlach geht, dann wird das Kraftwerk vom Backnanger Gemeinderat noch vor den Sommerferien bewilligt.
Noller mag keine halben Sachen, er will, dass sein Projekt zügig umgesetzt wird - oder garnicht. Andere, sagt er, "jammern sich zu Tode". Er will lieber "gucken, was geht". Über den Bau eines Holzkraftwerks, in dem auch die Abfallprodukte seines Landschaftspflegebetriebs verheizt werden, habe er allerdings bereits vor gut vier Jahren nachgedacht. Doch damals kam die Sache mit dem Golfplatz dazwischen.

Aus: Stuttgarter Zeitung, Martin Tschepe , vom 8.05.2007 (Foto: Steffen Honzera)

 

Zwei neue Bauvorhaben

Handelseinig sind Zweckverband und zwei neue Investoren, die sich in den Lerchenäckern ansiedeln wollen. Der eine plant eine Tankstelle an der B 14, der andere hat einen Reinigungsservice mit Großhandel für Hygieneartikel.
Sowohl vom Backnanger als auch vom Aspacher Gemeinderat wurde den beiden Bauvorhaben jetzt zugestimmt. Verträge sind allerdings noch nicht abgeschlossen, sagte Wirtschaftsbeauftragter Thomas Bernlöhr auf BKZ-Anfrage. Auf einem 3 700 Quadratmeter großen Grundstück direkt an der B 14 plant ein Backnanger Unternehmen den Bau einer freien Tankstelle. Beim anderen Bauwilligen handelt es sich um die ÖGS GmbH aus Waldrems. Eine Firma mit 35 bis 40 Mitarbeitern, die sich auf Gebäudereinigung und den Großhandel mit Hygieneartikeln spezialisiert hat. Sie will 1500 Quadratmeter erwerben.
Bereits im Bau befinden sich in den Lerchenäckern die Objekte der Nutzfahrzeugcenter Backnang GmbH, der Wilhelm Gienger GmbH (Großhandel mit Artikeln für Sanitär, Heizung, Klima) und der Firma Bickel-Fahrzeugteile. Die Gebäude können voraussichtlich im Sommer bezogen werden.
Im Juli wollen zwei weitere Firmen mit dem Bau in den Lerchenäckern beginnen: Die Firma Grün Spirituosen siedelt aus Aspach um, und die Firma Karasto Armaturenfabrik Oehler GmbH kommt aus Fellbach. OB Dr. Frank Nopper zeigt sich zufrieden: Das Ziel, in den nächsten Jahren 30 bis 40 Prozent der Fläche in den Lerchenäckern zu vermarkten, rücke in eine erreichbare Nähe. Weiter kräftig am Planen ist Peter Noller, der im Industrie- und Gewerbegebiet die Erstellung eines Holzheizkraftwerks beabsichtigt (wir berichteten).

Aus: Backnanger Kreiszeitung vom 3. Mai 2007



Baumschnittabfälle liefern Strom und Wärme satt

Ausschussmitglieder besichtigen Biomasseheizkraftwerk –Keine Bedenken gegen geplante Anlage in den Lerchenäckern

Backnang/Mudau –Die Mitglieder der beiden Technik- und Umweltausschüsse Backnang und Aspach besichtigen das Biomasseheizkraftwerk Mudau bei Mosbach. Grund: Der Großerlacher Unternehmer und Landwirt Peter Noller will im Industriegebiet Lerchenäcker ein ähnliches Heizkraftwerk zur Strom- und Wärmeerzeugung bauen.
Waren vor der Besichtigung des Biomasseheizkraftwerks Mudau/Neckar-Odenwald-Kreis am Dienstag noch leichte Zweifel bezüglich des geplanten Heizkraftwerks in den Lerchenäckern bei einigen der Ausschussmitglieder zu vernehmen, waren am Ende alle Bedenken fast wie weggewischt. Wie berichtet, beabsichtigt Peter Noller (45), seinen Landschaftspflegebetrieb in Großerlach ins Industrie- und Gewerbegebiet zwischen Backnang und Aspach zu verlagern. Er will dort zudem ein Holzheizkraftwerk erstellen, zusammen mit der Imtech Deutschland GmbH & Co. KG. Das Kraftwerk wird später von der Bio-HKW GmbH betrieben, die noch gegründet werden soll. Die geplanten Baukosten in Höhe von 20 bis 25 Millionen Euro will Noller zusammen mit zwei Investoren schultern.
Die Stromerzeugung aus Holz ist eine saubere und zudem umweltfreundliche Energiegewinnungsmethode. Der Schornstein des Heizkraftwerks in Mudau, das seit November 2006 voll in Betrieb ist, spuckt nicht das geringste Staubwölkchen aus. Auf die Frage: „Kommt da nichts raus?“, antwortet der Betriebsleiter Albin Grimm: „Je nach Wetter, manchmal auch weißer Qualm.“ Imtech-Niederlassungsleiter Ulrich Geilen ergänzt: „Das ist reiner Wasserdampf, sonst nichts.“
Ab und zu staubt es in Mudau, wenn der Wind durch das Sägemehl pustet, das für die Pelletsproduktion benötigt wird. Noller wiegelt ab:“ Wir produzieren keine Pellets. Wir haben deshalb auch kein Sägemehl. Deshalb wird es bei uns auch nicht stauben.“ Der Großerlacher Unternehmer erwartet maximal zehn LKW-Fuhren pro Tag, die Hackschnitzel anliefern werden, insgesamt 60 000 Tonnen pro Jahr. Ab und zu fährt ein Radlader in Mudau übers Betriebsgelände. „So einer wird bei uns auch rumfahren“, sagt Noller. „Macht der nicht zu viel Lärm?“ Christa Breuninger hat ihre Zweifel: „Ich wohne am Stadtrand.“ Jenseits der B 14 würden die Bauern mit großen Schleppern den ganzen Tag fahren. Breuninger: „Das kann schon nerven.“ Nollers Konter: „Mit tausendprozentiger Sicherheit hört den Betrieb niemand in Strümpfelbach und niemand in Backnang.“ Noller will auch Arbeitsplätze schaffen – etwa 16 im Kraftwerk. Weitere rund 25 neue Arbeitsplätze könnten in einer Spedition entstehen. Denn Noller will seine Logistik nach außen vergeben. Neben dem Strom, der nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz produziert wird – bis zu 34 Millionen Kilowattstunden pro Jahr und damit ausreichend für etwa 10 000 Haushalte – entsteht auch Wärme. Noller will diese selbst zur Trocknung der Baumschnittabfälle nutzen. Aber er kann sie auch anbieten, als Fernwärme für benachbarte Betriebe. Vielleicht ein Pluspunkt für die Vermarktung der Gewerbeplätze in den Lerchenäckern.

Aus: Backnanger Kreiszeitung, Florian Muhl, März 2007

 

Holzheizkraftwerk in den Lerchenäckern geplant

Backnang Der Großerlacher Unternehmer und Landwirt Peter Noller (45) beabsichtigt, seinen Landschaftspflegebetrieb ins Industrie- und Gewerbegebiet Lerchenäcker zu verlagern. Er will dort überdies ein modernes Holzheizkraftwerk zur gekoppelten Strom- und Wärmeerzeugung erstellen. Das Investitionsvolumen: rund 25 Millionen Euro.

Ein Blick auf Nollers Internet-Auftritt beeindruckt: Die Landschaftspflege-Firma im kleinen Großerlacher Teilort Schönbronn hat sich zu einem bedeutenden Unternehmen entwickelt, das ein umfangreiches Leistungsspektrum für kommunale Einrichtungen, Verkehrsbetriebe, Firmen, Vereine, Verbände und Privatleute anbietet: Lärmschutzwandreinigung, Tunnelreinigung, Rekultivierungsarbeiten, Bankettabfräsung und so weiter.
Jetzt will Noller in größere Dimensionen vorstoßen und im Industrie- und Gewerbepark Lerchenäcker ein Heizkraftwerk bauen. Wie Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper gestern auf BKZ-Anfrage bestätigte, wurden die zuständigen Ausschüsse der Stadt Backnang und der Gemeinde Aspach am Donnerstagabend in einer gemeinsamen nichtöffentlichen Sitzung erstmals übers Vorhaben informiert. Die Räte beider Kommunen sollen nun das Projekt in öffentlichen Sitzungen der nächsten Wochen und Monate ausführlich beraten.
1,7 Hektar Fläche benötigt Noller in den Lerchenäckern. Geplant ist nicht nur der Bau des Kraftwerkes, sondern die komplette Verlagerung des Landschaftspflegebetriebes. Das Einzige, was Peter Noller nicht mitnehmen kann, ist der von ihm betriebene Golfplatz Marhördt. Das Unternehmen zählt 43 Mitarbeiter, fürs Holzheizkraftwerk ist die Einstellung von weiteren 8 Beschäftigten geplant. Als Anlagenbauer soll die Imtech Deutschland GmbH & Co. KG auftreten, die "ihre Kompetenz nicht nur bei der Errichtung, sondern auch beim Betrieb des Heizkraftwerkes und der Stromvermarktung einbringen wird" (Nopper). Die Anlage, so bestätigte der OB gestern, wäre eine der größten ihrer Art in der gesamten Region Stuttgart.
Beim Nollerschen Landschaftspflegebetrieb fallen im Jahr etwa 60 000 Tonnen Holz an. Es handelt sich um sogenanntes Pflegeholz, Straßenbegleitholz, Holz aus der Baufeldrodung und von Käfern verseuchtes Holz. Statt dieses Material wie bisher ungenutzt zu lassen, soll es nun am neuen Standort verfeuert werden. Der aus dem nachwachsenden Rohstoff erzeugte Strom von bis zu 34 Millionen Kilowattstunden pro Jahr, wird nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz ins Stromnetz eingespeist. Diese Menge entspricht dem Bedarf von etwa 10 000 Haushalten.
Die Wärme könnte, so heißt es, zu sehr wettbewerbsfähigen Konditionen abgegeben werden. Außerdem wird Wärme zur Trocknung von Holz eingesetzt. Durch die Stromproduktion aus Holz könne die konventionelle Stromerzeugung teilweise ersetzt und Emissionen in Höhe von 19 000 Tonnen CO2 pro Jahr vermieden werden. Damit werde ein lokaler Beitrag zum Klimaschutz und zur Schonung der fossilen Brennstoffe geleistet.
Bei dieser Art Kraftwerk werden Strom und Wärme nach dem Prinzip der KraftWärme-Kopplung gewonnen. Die Holzverfeuerung erhitzt einen Dampfkessel, aus dem eine Turbine angetrieben wird. Die entstehenden Abgase sollen mit einer modernen Elektrofilteranlage gereinigt werden, erfuhren Backnangs und Aspachs Räte in ihrer gemeinsamen Sitzung. Filter neuester Generation würden eine Staubbelastung verhindern. Nach Überzeugung der Umweltschutzexperten Joachim Spindler und Andreas Schulik vom Geschäftsbereich Umwelt des Landratsamts Rems-Murr-Kreis entsteht durch die Anlage keine Geruchsbelästigung der Nachbarschaft, da keine Verrottungs- oder Kompostierungsprozesse durchlaufen werden. Die Geruchsintensität direkt auf dem Betriebsgelände ist vergleichbar mit dem Geruch im Wald, erklärten die Fachleute den Kommunalpolitikern. Bereits in der Nachbarschaft sei kein Geruch mehr wahrzunehmen. Die Anlage soll täglich von sieben Lkw angefahren werden. Angesichts von täglich 15 000 Fahrzeugen auf der Bundesstraße 14 werde dieser zusätzliche Verkehr fast nicht ins Gewicht fallen.
Die Erläuterungen waren sehr schlüssig, hieß es gestern über die nichtöffentliche Informationsrunde. Zwar seien viele sachliche Fragen gestellt, doch auf Nachfrage von Nopper auch generelle Zustimmung signalisiert worden. CDU-Fraktionschef Dr. Gerhard Ketterer bestätigte dies indirekt gestern gegenüber unserer Zeitung: "Wir unterstützen das Vorhaben. In der Investition der Firma Noller liegen gleich mehrere Chancen: bezüglich neuer Arbeitsplätze, günstiger Wärmeenergie für andere Unternehmen und der Nutzung regenerativer Energien. Es könnte sich daraus sogar ein Standortvorteil für die Lerchenäcker entwickeln. Belastungen für die Umgebung sind nicht zu befürchten." Ähnlich argumentiert auch Heinz Franke, Fraktionsvorsitzender der SPD: "Es handelt sich in der Tat um ein interessantes Projekt, das wir begrüßen. Wir werden schon deshalb zustimmen, weil hier energietechnisch innovativ gehandelt werden kann." Selbstverständlich sticht auch für Franke die ArbeitsplätzeKarte ebenso wie bei OB Nopper und seinem Bürgermeisterkollegen Hans-Jörg Weinbrenner aus Aspach. Die beiden sprechen zudem von einer Großinvestition.
Die Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart bestätigt diese Einschätzung: Eine der größten Investitionen der letzten Jahre in der Region. Mit der Maßnahme anfreunden können sich möglicherweise auch die Backnanger Grünen. Doch sie wollen, so Stadtrat Rainer Lachenmaier, noch externe Fachleute hören: "Nicht alles ist ökologisch, was mit Holz zu tun hat. Auch hier findet ein CO2-Ausstoß statt." Lachenmaier abschließend: "Wir prüfen."
Keinen Grund zur Freude hat hingegen Großerlachs Bürgermeister Christoph Jäger. Schließlich kehrt Noller seiner Gemeinde den Rücken. Es habe zwar verschiedene Gespräche mit Noller gegeben, aber es sei rasch klar geworden, dass Großerlach die Rahmenbedingungen für ein solch großes Projekt nicht bieten kann. Jäger: "Leider." Trotzdem kann das Gemeindeoberhaupt der Angelegenheit noch etwas Positives abgewinnen: "Es ist besser, die Firma bleibt in der Region, als dass sie sich weiter entfernt niederlässt."
Dass Noller eines Tages auch andernorts aktiv wird, scheint nicht ausgeschlossen. Denn auch andere haben Wind von seinem Vorhaben bekommen und Interesse gezeigt. So auch Firmen, die an einer solchen Art von Energiegewinnung interessiert sind. Noller, so kann gemutmaßt werden, wird möglicherweise noch weiter wachsen.

VON REINHARD FIEDLER, Backnanger Kreiszeitung März 2007

 

Nopper und Bernlöhr in “Lerchenäcker-Mission” auf der EXPO REAL

Backnangs OB Dr. Frank Nopper und Wirtschaftsbeauftragter Thomas Bernlöhr präsentierten am Gemeinschaftsstand der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH auf der 9. Internationalen Fachmesse für Gewerbeimmobilien EXPO REAL in München das interkommunale Industrie- und Gewerbegebiet Lerchenäcker. In diesem Rahmen konnte eine Vielzahl von Gesprächen insbesondere mit Gewerbeimmobilienmaklern über interessierte Unternehmen aus den Bereichen Industrie und Logistik geführt werden. Ziel des Zweckverbandes Industrie- und Gewerbegebiet Lerchenäcker ist es, so OB Nopper, die nach Vollzug der bevorstehenden Unternehmensansiedlungen erreichte Flächenbelegung in den Lerchenäckern von rund 25 Prozent in absehbarer Zeit auf 30 bis 35 Prozent zu steigern. Die EXPO REAL bot jedoch nicht nur Gelegenheit, die Lerchenäcker vorzustellen, sondern auch die Chance mit einer Vielzahl von Projektentwicklern über die Aufwertung von Gewerbebrachen und anderen städtebaulichen Problemzonen in der Stadt Backnang zu sprechen. OB Nopper erklärte in diesem Zusammenhang: „Wir werden alles daran setzen, dass wir über das Projekt „Schweizerbau“ hinaus weitere städtebauliche Aufwertungen für Backnang anstoßen.“

Pressemitteilung der Stadt Backnang, Pressestelle, Oktober 2006

 

Baubeginn steht bevor

Mit einem Spatenstich startete gestern die Nutzfahrzeugcenter Backnang GmbH ihre Baumaßnahme im Industrie- und Gewerbegebiet Lerchenäcker. Neben Geschäftsführer Jürgen Frank gaben Backnangs OB Frank Nopper und Aspachs Bürgermeister Hans-Jörg Weinbrenner das Startsignal für den Neubau. Im Sommer 2007 wird der Betrieb von der Sulzbacher Straße in die Lerchenäcker umziehen. Das Unternehmen hat gegenwärtig bei steigender Tendenz 15 Mitarbeiter, davon vier Auszubildende. Der erfolgreiche Servicebetrieb für Nutzfahrzeuge der Marken IVECO und MAN investiert insgesamt 2,3 Mio. Euro, um am Standort Backnang für die Zukunft gewappnet zu sein. Alle vier Ansiedlungsvorhaben, die in den Lerchenäckern derzeit zu erwarten sind, führen zu einem Verkauf von insgesamt 1,6 Hektar. Im Industrie- und Gewerbegebiet Lerchenäcker werden dann rund 25 Prozent der Flächen verkauft sein.

Aus: Backnanger Kreiszeitung, Oktober 2006


Spatenstich am 26.10.2006 der
Nutzfahrzeugcenter Backnang GmbH
in den Lerchenäckern

 

Vier Firmen wollen sich demnächst ansiedeln

Ins Industrie- und Gewerbegebiet Lerchenäcker kommt Bewegung. Vier Unternehmen wollen sich ansiedeln. Den zu den Backnanger Wirtschaftsgesprächen vollzählig erschienenen Firmenvertretern galt der besondere Willkommensgruß von OB Dr. Frank Nopper.

Da war also Jürgen Frank von der Nutzfahrzeugcenter Backnang GmbH, die sich auf einer Fläche von rund 7 000 Quadratmeter mit bis zu 20 Mitarbeitern in den Lerchenäckern ansiedeln will. Von Nopper ebenso herzlich begrüßt wurde der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Gienger vom Kornwestheimer Traditionsunternehmen Wilhelm Gienger. Die Firma wird sich auf rund 2 000 Quadratmetern mit einem zweigeschossigen Lager- und Ausstellungsgebäude für den Großhandel im Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk vor den Toren Backnangs niederlassen. Firmeninhaber Bartl von Bickel Fahrzeugteile galt der nächste Willkommensgruß bei den Wirtschaftsgesprächen im Schloss Katharinenhof. Sein Unternehmen handelt mit Autoersatzteilen. Der Bau einer Halle in den Lerchenäckern beginnt voraussichtlich im Oktober. Besonders willkommen geheißen wurden auch die Geschäftsführer der Karasto Armaturen GmbH, Carola Reese und Klaus Schluchter. Die Firma, die Wasserschlaucharmaturen, Industriearmaturen, Düsen und Giesgeräte fertigt, wird Anfang 2007 mit rund 60 Mitarbeitern von Fellbach in die Lerchenäcker umsiedeln.
Nopper versäumte es freilich nicht, die Werbetrommeln für den Standort Backnang zu rühren, zumal bei dieser Veranstaltung eine Vielzahl von potenziellen Investoren zu Gast war: "Brechen Sie in die Lerchenäcker auf." Ein attraktives Industrie- und Gewerbegebiet mit sehr vielen Vorteilen und sehr reellen 103 Euro pro erschlossenem Quadratmeter warte auf Investoren. Dass Nopper sich im Überschwang seiner Sympathie zu Backnang gerade bei einer so hochkarätigen Veranstaltung kaum mehr bremsen konnte, versteht sich. Da blieb auch der Ehrengast und Referent des Abends, Professor Dr. Berthold Leibinger, nicht verschont. Möge er doch eine Betriebsstätte in Backnang eröffnen, schlug Gastgeber Nopper dem Gast als Gastgeschenk vor. "Ich darf Ihnen versichern, sehr geehrter Herr Professor Leibinger, dass Sie in diesem Falle der Ehrenbürgerwürde der Stadt Backnang sehr nahe wären." Leibinger blieb Nopper keine Antwort schuldig: Er schlug vor, in Stuttgart einen Wegweiser "aus Edelstahl, lasergeschnitten," aufzustellen mit der Aufschrift "Alle Wege führen nach Backnang".

Aus: Backnanger Kreiszeitung, Renate Häussermann, Juli 2006

 

Ohne Rückgriff auf alte Tugenden geht es nicht

Backnang Unternehmer müssen als Vorbild dienen können, sagt Professor Dr. Berthold Leibinger und lebt es vor. Der Mann, der über 40 Jahre lang das Unternehmen Trumpf geleitet hatte und heute Aufsichtsratsvorsitzender der Trumpf-Gruppe ist, sprach bei den 4. Wirtschaftsgesprächen über die Verantwortung des Unternehmers.

Eigentümer sind die Aktionäre, und die hätten keine Skrupel, ihre Aktien zu erfolgreichsten und einflussreichsten Unternehmer der Republik gemacht. Die Trumpf-Gruppe mit heute weltweit deutlich über 6 000 Mitarbeitern (davon 4 200 in Deutschland) hat er stets mit dem Wissen um seine große soziale Verantwortung geführt. Deshalb mit Industriepionier Robert Bosch den er bewundert verglichen zu werden, hält Leibinger für " völlig unangemessen". Bosch sei "eine Kategorie, zu der man nur aufschauen kann".
Erst im vergangenen Jahr hat der Weltbürger und zugleich bodenständig gebliebene Schwabe Leibinger den Vorsitz der Geschäfsführung von Trumpf abgegeben. In vier Jarhzehnten machte er aus dem mittelständischen Unternehmen Trumpf einen weltweit agierenden Hightech-Konzern. Leibinger war und ist Trumpf.
Glaubwürdig und mit leisem Humor skizzierte der 75-Jährige bei der Veranstaltung am Dienstagabend auf Schloss Katharinenhof seine Führungsphilosophie.
Die Prägung der Menschen, ihre Vorstellungen und Verhaltensmuster hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend geändert. An Bildern, die jeder kennt, machte Leibinger diesen Wandel des Gesellschaftsbildes deutlich. Alte Tugenden und Maximen des Handelns seien über Bord geworfen worden. Dass der mündige Bürger heute seine Persönlichkeit entfalten will, müsse ein Unternehmen nicht nur zulassen, sondern geradezu fördern. Darin liege eine Kreativität, die das Unternehmen für sich nutzen kann. Noch nie hätte deshalb die Mitarbeiterweiterbildung und Mitarbeiterentwicklung in der Wirtschaft eine so große Rolle gespielt wie heute. Für Leibinger ist es "gut und klug, dass Firmen sich als Wirtschaftsbürger fühlen und ihr Verhalten an Bürgertugenden orientieren". Aber: Die Unternehmen seien keine Einrichtungen zur Erzeugung von Wohltaten nach den Vorgaben der Öffentlichkeit. Erste Aufgabe sei es nach wie vor, gut zu wirtschaften und Gewinn zu erzielen: "Ohne Gewinn geht nichts!" Großen Beifall erhielt Leibinger für seine Feststellung, dass es auch eine Verantwortung der Unternehmer sei, die Beschäftigung in Deutschland zu erhalten. "Gewinn als Maß aller Dinge kann kein ausschließliches Unternehmensziel an sich sein." Die Verpflichtung gegenüber den Mitarbeitern und Lieferanten und die Bindung gegenüber dem Gemeinwesen liege ebenso in der Verantwortung eines Unternehmers.
Dass es um das Ansehen der Unternehmer, besser: der Manager, nicht zum Besten steht, wundert Berthold Leibinger nicht. Analysten, von denen Wohl und Wehe einer Aktiengesellschaft abhängt, hätten häufig "wenig Ahnung vom Wesen und Wollen eines Unternehmens und dem Können und den Möglichkeiten, die seine Mitarbeiter verkörpern". So gesehen seien die Geschäftsleitungen vieler AGs oft nur Getriebene. Eigentümer sind die Aktionäre, und die hätten keine Skrupel, ihre Aktien zu Höchstkursen zu verkaufen. In diese kritischen Worte schloss er ausdrücklich auch die Kleinaktionäre mit ein.
Wenn man in Deutschland weiterhin eine Unternehmenskultur wolle, die sich der sozialen Marktwirtschaft verpflichtet fühlt, dann müssten das eben auch die Aktionäre wollen, sagte Leibinger. Von Unternehmern fordert Leibinger Anstand, Haltung, schlicht: Charakter.
Die Führungspersönlichkeiten der Wirtschaft stünden in der Pflicht: "Ohne Rückgriff auf alte Tugenden wird es nicht gehen." Wenn sich die Unternehmen dazu bekennen würden, könnte das helfen, den Kreis zwischen alter und neuer Wirtschaftswelt zu schließen. Wichtigste Führungseigenschaft sei das eigene Vorbild. "Wir bestimmen das Bild, das sich die Menschen von der Wirtschaft machen und wir sind für den wirtschaftlichen Weg, den das Land geht, mitverantwortlich."
Unternehmer müssten daher "die natürlichen Einmischer sein". Berthold Leibinger ist ein Einmischer, auch noch heute mit seinen 75 Lebensjahren.

Aus: Backnanger Kreiszeitung, Peter Wark, Juli 2006

 

SMA – Erfolgsgeschichte in den Lerchenäckern

Mit etwa 50 Millionen Euro Umsatz und 220 Mitarbeitern in Deutschland gehört SMA Metalltechnik zwar nicht zu den ganz Großen der Branche. Trotzdem agiert der 1991 gegründete Hersteller von Leitungen und Leitungssystemen für Autoklimaanlagen, Bremssystemen und Wasserkühlungen sehr erfolgreich am Markt. 2003 zog der Betrieb vom Gelände der ehemaligen Spinnerei in das Industrie- und Gewerbegebiet Lerchenäcker.
"Was wir können, können andere auch", stapelt der Geschäftsführer Klaus Liehr tief. Das stimmt nicht ganz, denn durch die innovativen Fertigungsmethoden gilt SMA Metalltechnik als ein A-Lieferant. Was das bedeutet? "Unter einer Million Teile, die unser Werk verlassen, sind höchstens 80 fehlerhaft. Damit sind wir wesentlich besser als gefordert." Im Zweigwerk in Südafrika liegt die Fehlerquote sogar noch unter dem Backnanger Wert. Der Wert dort: eine glatte Null, was dem Unternehmen auch den Titel "Supplier of the Year" eintrug.
Erfolge müssen aber gerade in der bearbeitenden Industrie immer wieder neu erarbeitet werden muss. "Jährlich", so erklärt Liehr, "werden die Aufträge neu ausgeschrieben." In Zeiten der Globalisierung bedeutet dies, die Backnanger stehen in weltweiter direkter Konkurrenz. Rund um die Uhr werden auf den 11 000 Quadratmetern an der Karl-Ferdinand-Braun-Straße teilweise vollautomatisiert Aluminiumrohre passgenau zu komplizierten Leitungssystemen gebogen und gequetscht, die später in Pkw und Lkw zum Einsatz kommen. Ein flexibles Schichtsystem und motivierte Mitarbeiter tun, nach Ansicht des Geschäftsführers, ein Übriges, um SMA in der Erfolgsspur zu halten.
Bereits jetzt arbeitet man bei in den Lerchenäckern an kommenden Klimatisierungstechnologien, die erst in einigen Jahren serienreif sein werden. Gerade in diesem Bereich gelten die Leitungsfertiger aus Backnang als innovative Trendsetter. Auf Dauer will das Unternehmen weiter expandieren und neue Märkte erschließen. Gerade in der Klimatechnik, so die Überzeugung, schlummern Potenziale, die dafür sorgen, dass auch in den kommenden Jahren der jetzige Beschäftigungsstand in Backnang gehalten werden kann.

Aus: Backnanger Kreiszeitung, Roland Liliveldt, 19.11.2005

 

Regierungspräsidium erlässt B 14-Planfeststellungsbeschluss

Laut Regierungspräsident Dr. Udo Andriof ist dieser Schritt eine wichtige Voraussetzung für die Verwirklichung dieses bedeutsamen Projekts. Gegenstand des Beschlusses ist 7540 m lange Neubau bis Backnang West. Der südliche Bauabschnitt von Winnenden bis Gemarkungsgrenze ist bereits rechtskräftig planfestgestellt und im Bau. Die B 14 hat überregionale Funktion und ist für die Regionen Mittlerer Neckar und Franken eine wichtige regionale Hauptverkehrsstraße, die Backnang, Winnenden, Waiblingen und Fellbach mit der Landeshauptstadt verbindet.
Außerdem ausgebaut werden soll die L 1115 Backnang-Mundelsheim, die den Backnanger Raum zur Autobahn 81 erschließt.

weiterführende Informationen: www.rp.baden-wuerttemberg.de/servlet/PB/menu/1189282/index.html